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Die frühen psychoanalytischen Arbeiten, die sich mit Fragen der Kunst beschäftigten, interessierten sich für den oft verborgenen „latenten“ Inhalt künstlerischer Produktionen, ohne freilich die „Formschönheit“ als solche je zu übersehen. Die vorliegende Darstellung des psychoanalytischen Beitrags zu einer ästhetischen Theorie setzt demgegenüber den Akzent auf jene formal-qualitativen Kriterien und sucht — über ihre Funktion als „Verlockungsprämie“ hinaus —diesen im eigentlichen Sinne künstlerischen Momenten gerechter zu werden, als es — mit wenigen Ausnahmen wie den Arbeiten von Kris — die psychoanalytische Literatur bisher tat. In den der psychoanalytischen Terminologie entnommenen Begriffen der Reiz- oder Triebspannung und -entlastung scheint sich eine Möglichkeit zu bieten, dynamische Beziehungen der künstlerischen Elemente, ausgehend von der im Vormenschlich-biologischen, Subcerebralen wurzelnden Ästhetik einfacher Konfigurationen oder „Gestalten“, mit psychoanalytischen Mitteln zu beschreiben. Waelder studiert die Entwicklung des Geschmacks von der kindlichen Lust am einfach Gefälligen, „Süßen“ zu differenzierterem ästhetischem Genuß am eher Herben, „Bitteren“, an spannungsreicheren Gebilden. Die hierbei aufgeworfene Frage, ob und wie in diesem Zusammenhang „Vorlust“ als Spezialfall innerhalb einer allgemeineren Theorie der Lust als Funktion von Spannung zu betrachten ist, hat schon Freud gestellt, als ihm „lustvolle Spannungen und unlustige Entspannungen“ Modifikationen ursprünglicher Konzepte zu fordern schienen; die „exakte Formel“, meint Waelder, ist auch heute nicht gefunden. Die Unterscheidung von Es-Lust und Ich-Lust führt dazu ichpsychologische Vorstellungen ein und kann sich auf Ausführungen Freuds berufen, der, wie Kris zeigte, in „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“ implizite eine genuine ästhetische Theorie entwickelt hat. — Der zweite Teil des Buches befaßt sich mit der Situation der Künste in einer zunehmend von der Technik bestimmten Wel