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Um die Psychopathologie gestörter Ehen oder überhaupt die Wechselbeziehungen in einer Ehe verstehen zu können, braucht man eine theoretische Basis. Die Literatur über dieses Thema ist nicht gerade sehr umfangreich, was insofern merkwürdig ist, als das Problem der Ehekonflikte gewiß zu jeder Zeit von größter Bedeutung war. In den Vereinigten Staaten denkt man dabei vor allem an Ackerman, dessen Buch „The Psychodynamics of Family Life“ zu einem Klassiker geworden ist. In England gab es in diesem Arbeitsbereich hervorragende Pionierleistungen, so vor allem die von Henry Dicks mit seinen vielen Veröffentlichungen über dies besondere und andere verwandte Themen. Ferner besteht dort das „Family Discussion Bureau“, von dem außerordentlich wertvolle Arbeit geleistet wird, die auch in mehreren grundlegenden Büchern und Artikeln veröffentlicht wurde.
Ich hatte das Glück, durch die Weltgesundheitsorganisation über das „Pan American Sanitary Bureau“ ein Stipendium für Forschungsarbeit an der Tavistock Clinic zu erhalten und an dieser idealen Institution die Probleme der ehelichen Wechselbeziehung zu studieren, und zwar an den beiden Abteilungen, die auf diesem Gebiet seit Jahren arbeiten: dem „Marital Unit“ und dem „Family Discussion Bureau“. Die erstere, eine Sprechstunde für vom Arzt überwiesene Ehepaare, wird von Dr. Henry Dicks geleitet und stellt ärztlich-psychotherapeutische Behandlungen für Eheprobleme bereit, während das „Family Discussion Bureau“, eine Schwesterorganisation, eine Einrichtung der Sozial-Fürsorge ist und neben den Behandlungs- auch Unterrichtsaufgaben wahrnimmt.
Ich trat als außerordentliches Mitglied in das Arbeitsteam der Tavistock Clinic ein und begann, in der Abteilung „Marital Unit“ ein Forschungsprojekt über Ehekonflikte zu entwerfen. Einige Monate lang oder vielleicht das erste Jahr über machte ich mich mit den hauptsächlichen Arbeitshypothesen vertraut, die in den beiden Abteilungen verwendet wurden, und nahm zugleich als Zuhörer an vielen Dutzend