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Das 1943 von Kanner beschriebene Syndrom des frühkindlichen Autismus war seitdem Gegenstand vieler Diskussionen unter Kinderärzten und Kinderpsychiatern, wobei nicht nur in ätiologischer Hinsicht die Auffassungen stark divergieren; auch die Abgrenzung als eigenes Krankheitsbild etwa gegenüber der von Asperger beschriebenen autistischen Psychopathie und anderen Formen des autistischen Verhaltens oder hirnorganischen Schädigungen mit mehr oder weniger ähnlichen Störungen im sozialen und affektiven Bereich ist strittig. Die vorliegende Monographie vertritt in dieser „babylonischen Verwirrung“ (van Krevelen) eine vor allem gegenüber dem weitgehenden Konsensus amerikanischer Autoren extreme somatogenetische Auffassung. Nach einem umfangreichen Referat der Literatur und insbesondere nach Prüfung der Argumente für und gegen die Psychogenese kommt der Autor zu dem Schluß, daß eine vermutlich durch Schädigung der Formatio reticularis verursachte cognitive Dysfunktion dem Syndrom zugrunde liegt. Das Studium der Krankengeschichten leitet den Verfasser zu der Annahme, daß, ähnlich wie bei der Netzhautschädigung der retrolentalen Fribroplasie, postpartale Sauerstoffgaben für ein anlagemäßig empfindliches Hirn häufig die entscheidende Noxe darstellen.
In einer im weiteren entwickelten Theorie wird das Syndrom des frühinfantilen Autismus, das Kanner, wenn auch nicht immer eindeutig, als Form der kindlichen Schizophrenie aufgefaßt hatte, als der Schizophrenie diametral entgegengesetzte Störung gedeutet. Der Psychoanalytiker erinnert sich an Meynerts Schizophrenielehre, wenn der Autor die jeweilige Symptomatik durch zu ungehemmtes und manchmal vielleicht gänzlich zufälliges Assoziieren einerseits und durch eine weitgehende Blockade der Assoziationen im Falle des Kanner-Syndroms andererseits aufzuklären sucht; gewisse Ähnlichkeiten, wie etwa im Konkretismus des Denkens, müssen dann als aus den gegensätzlichen Prämissen resultierend begriffen werden. Als Konsequenz wird u. a. die Behan