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Nach einem alten ungeschriebenen Gesetz betrachtet der Arzt denjenigen als seinen Patienten, der sich ihm durch sein Leiden offenbart. Der Patient bemüht sich um den Arzt, weil er von ihm eine Heilung oder Linderung seines Leidens erwartet. Darüber hinaus weist sich der Arzt häufig als fachkundig für spezifische Krankheiten aus. Die Aufnahme der Arzt-Patient-Beziehung erfolgt demnach auf Grund einer Suchbewegung des Patienten. Während der Arzt sich für seine Rolle beruflich qualifiziert, gerät der Patient in die seine hinein, wenn er subjektiv oder objektiv an sich oder seinem Körper Veränderungen wahrnimmt und sich von diesen in irgendeiner Weise bedroht oder gefährdet sieht, d. h. an ihnen zu leiden beginnt.
In der modernen Medizin ist diese Regel dort durchbrochen worden, wo der Arzt sich auf Grund von Erkenntnissen berufen fühlt, in einer eigenen Suchbewegung die Krankheit in einem noch latenten Stadium aufzufinden, bevor ihr Träger durch Selbstwahrnehmung zu einem Leidenden, zu einem Patienten wird. Diese Entwicklung fordert eine genauere Definition des Patient-Seins: Nicht nur die für den Betroffenen selbst oder seine Umgebung wahrnehmbaren Auswirkungen eines manifesten Krankheitszustandes bedingen das Gefühl des Patient-Seins, sondern bereits das Wissen um die Krankheit, das Bewußtsein, krank zu sein, auch wenn dieses Bewußtsein nicht oder noch nicht mit einem fühlbaren Leiden verbunden ist.
So ist es eigentlich das Bewußtsein von der Krankheit, das zu dem Entschluß führt, mit Hilfe der Arzt-Patient-Beziehung der Bedrohung durch die Krankheit zu begegnen. Der Impuls dazu geht vom Arzt aus, wenn er um die Krankheit des Patienten weiß, vom Patienten, wenn dieser sich seines Leidens bewußt wird, und von beiden gleichzeitig, wenn sie gemeinsam die Krankheit erkennen; denn erst das gemeinsame Bewußtsein ist die Voraussetzung dafür, daß in der Beziehung therapeutische Aktionen Erfolg haben können. Bei einer Störung der gemeinsamen Bewußtseinsbildung zerfällt die Arzt