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Wir sind eine Gruppe von fünf praktischen Ärzten und einer Ärztin unter der Leitung eines Psychoanalytikers, die sich seit fünf Jahren regelmäßig jede Woche einmal trifft, um die Erlebnisse und Erfahrungen bei der Behandlung psychosomatischer Störungen zu diskutieren.
Mit welcher Erwartung wir in das Seminar gingen: Wir kamen zunächst mit dem Wunsch, einige Techniken zu lernen, um unsere seelisch kranken Patienten erfolgreicher behandeln zu können. Wir hatten wohl die Vorstellung, die „eigene apostolische Funktion“ zu festigen, bessere Ratschläge geben und die Patienten davon abhalten zu können, ihre Fehler zu wiederholen.
Was wir gelernt haben: Der im Seminar vortragende Kollege ist behandelnder Arzt, verkörpert aber gleichzeitig für die diskutierende Gruppe den abwesenden Patienten. Genau wie unsere Patienten waren wir anfangs sehr unsicher, stellten Forderungen an den Seminarleiter und erbaten Ratschläge. Wir versuchten sogar, schwierige Patienten, von denen wir uns überfordert fühlten, an das Institut abzuschieben. Inzwischen haben wir erkannt, daß jeder Arzt den ihm gemäßen Patienten hat und diesen entsprechend seinem eigenen Charakter, seinem Alter und seinem Geschlecht selbst weiterbehandeln sollte; denn der Patient wendet sich mit seinen Problemen an den Arzt seines Vertrauens, der ihn oft schon jahrelang kennt und mit dem ihn eine persönliche Arzt-Patient-Beziehung verbindet. Die unterschiedliche Einstellung zum Patienten zwischen einem männlichen und einem weiblichen Kollegen beeindruckte mich in einer Gruppensitzung, in der verschiedene Meinungen auf die Frage geäußert wurden: Wie verhält man sich, wenn eine Mutter mit einem kleinen Kind in die Sprechstunde kommt? Die männlichen Kollegen würden das Kind der Sprechstundenhilfe übergeben, während ich als Ärztin das Kind mit einem Spielzeug im Zimmer belassen würde. In der nachfolgenden Diskussion ergab sich noch eine weitere, von uns anfangs nicht beachtete dynamische Konstellation: Die Tendenz, Mutter und Ki