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In der Kinderbehandlung überträgt das Kind auf den Therapeuten Gefühle, die vier verschiedenen Quellen entspringen. Um der Übersichtlichkeit der Darstellung willen werde ich diese Gefühle alle „Übertragung“ nennen. Später werde ich dann diskutieren, welche von diesen Gefühlen einen Beitrag zur „Übertragungsneurose“ liefern.
Einige der Gefühle, die das Kind dem Analytiker gegenüber empfindet, entstammen aktuellen Konflikten. Ich beschreibe diese zuerst, gerade weil der aktuelle Konflikt am Anfang der Behandlung die Einstellung zum Therapeuten weitgehend bestimmt.
Das Kind wird zur Behandlung geschickt; nur äußerst selten empfindet es selbst einen Antrieb dazu. Das Leiden in der Kinderneurose verteilt sich zwischen Kind und Eltern. Zumeist machen sich die Eltern viel mehr Sorgen über die gestörte seelische Entwicklung ihres Kindes, als das Kind selbst es tut.
Deshalb fängt eine Kinderbehandlung gewöhnlich damit an, daß der kleine Patient eine negative Einstellung zum Therapeuten mitbringt. Es wäre sehr verfehlt, wenn dieser nun zuerst die infantile Wurzel der oppositionellen Haltung des Kindes deuten und es unterlassen würde, die aktuelle Situation, nämlich das Gefühl des „Geschickt-Seins“, vorher gründlich durchzusprechen. Das wäre nicht nur verfehlt, es wäre sogar äußerst unzweckmäßig. Leider habe ich diesen Fehler früher selbst gemacht und weiß daher aus eigener Erfahrung, wie sehr der Widerstand des Kindes durch ein solches fundamentales Mißverständnis verstärkt werden kann.
Es kann vorkommen, daß der geübte Untersucher den tieferen, infantilen Anteil am trotzigen Selbständigkeitsdrang des Kindes („niemand darf sich in meine Angelegenheiten einmischen“) von Anfang an deutlich erkennt. Wenn er es jedoch versäumt, zuerst durchzusprechen, daß das Kind von den Eltern geschickt wurde und selbst gar nicht um fremde Hilfe gebeten hat,