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Konsequenzen der stammesgeschichtlichen Verwandtschaft von Tier und Mensch
Sigmund Freud schrieb im Jahre 19-38 im „Abriß der Psychoanalyse“ die Vermutung nieder: „Dies allgemeine Schema eines psychischen Apparates wird man auch für die höheren, dem Menschen seelisch ähnlichen Tiere gelten lassen. Ein Über-Ich ist überall dort anzunehmen, wo es wie beim Menschen eine längere Zeit kindlicher Abhängigkeit gegeben hat. Eine Scheidung von Ich und Es ist unvermeidlich anzunehmen.
Die Tierpsychologie hat die interessante Aufgabe, die sich hier ergibt, noch nicht in Angriff genommen.“ (S. 69)
Es ist offensichtlich, daß Freud mit diesen Worten den Zoologen einen Hinweis auf ein Forschungsfeld geben wollte, dessen Existenz sich ihm in seiner Tätigkeit als Psychoanalytiker als unabweisbar aufgedrängt hatte. Wir werden aber auch in der Annahme nicht fehlgehen, daß er ebenso bereitwillig Anregungen des Tierpsychologen aufgegriffen und in die psychoanalytischen Überlegungen einbezogen hätte. Als echtem Evolutionisten war ihm die Gegebenheit „der phylogenetischen Entwicklung“, der stammesgeschichtlichen Verwandtschaft von Tier und Mensch, eine Selbstverständlichkeit (siehe z. B. Freud, 1900, 1932). Die kausalgenetische Erforschung tierischen Verhaltens steckte jedoch zur damaligen Zeit noch in ihren Anfängen. Es wurde z. B. erst in jenen Jahren die Untersuchung veröffentlicht, die einen der wichtigsten Zweige tierischer Verhaltensforschung, die Ethologie, begründet: Im Jahre 1935 veröffentlichte Konrad Lorenz seine Arbeit „Der Kumpan in der Umwelt des Vogels“.
Im Gange der Entwicklung wurden als erstes auf dem Gebiete der Anthropologie durch die Psychoanalyse die Schranken einer reinen Deskription menschlichen Verhaltens und Erlebens überwunden und die Basis für eine Theorie der Struktur der menschlichen Persönlichkeit und der Dynamik menschlichen Erlebens und Verhaltens geschaffen. Erst Jahrzehnte später