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Vor etwa fünfzig Jahren kamen die amerikanischen Psychologen und Soziologen zu der Überzeugung, daß man den Instinktbegriff aufgeben müsse. Einer ihrer Hauptgründe war, daß es zu viele voneinander abweichende Definitionen des Begriffs Instinkt gab, und daß die Kataloge von Instinkten, wie sie etwa von James (1890) oder McDougall (1908) aufgestellt worden waren, Verhaltensweisen enthielten, die offensichtlich sowohl gelernte wie ungelernte (d. h. nicht gelernte) Aspekte hatten. Dieser Entschluß drohte, sich vernichtend auszuwirken, denn leider gab es keine brauchbaren Kategorien der Motivation, die den Instinktbegriff ersetzen konnten. In ihrer Verzweiflung beschränkten die führenden Psychologen — mit Ausnahme von Woodworth (1921) — die ungelernten Verhaltensweisen nun auf die Reflexe, Zufallsverhalten und Cannons (1929) physiologische Triebe und schrieben alle spät auftretenden, komplexen Verhaltensformen der Konditionierung (Watson, 1925) oder den abgeleiteten Trieben zu (Miller und Dollard, 1941). Es gab noch keine Daten zur Bestimmung des Anteils von gelernten und ungelernten Komponenten aus diesen komplexen Verhaltensformen, und bei der Bewertung der Komponenten begingen die Psychologen jetzt dieselben logischen Fehler wie die älteren Instinkttheoretiker, nur in umgekehrter Richtung.
Es ist schwierig, experimentell zu demonstrieren, daß Komponenten von spät reifenden, komplexen Verhaltensweisen bei Affen und Menschen nicht gelernt sind, weil diese Lebewesen einfache Reaktionen mit solcher Schnelligkeit lernen, daß ein neues Verhalten sofort, wenn es erscheint, durch Lernen überlagert und modifiziert wird. Dieses überlagernde Lernen spricht nicht für die Abwesenheit oder Unwichtigkeit von Reifungsvariabeln, und die Physiologen haben auch Reifungsvariabeln in der Entwicklung der lokomotorischen (Shirley, 1933), der manipulatorischen () und der intellektuellen Fähigkeiten akzeptiert; sie glauben sogar, daß einige subtile Verhaltensänderungen aus der Reifung der Gona