You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die 2. Auflage des Lehrbuches für Ärzte, Psychologen und Pädagogen liegt in erweiterter
Form—Vermehrung der Fälle auf 25, der Kapitel um 12—vor.
Bei genauerer Durchsicht erweist es sich jedoch, daß nur 13 Fälle zum Nachweis der psychopathologischen Struktur der Störung—in Anlehnung an einen Befund, den bereits gemacht hatte—herangezogen werden: die besseren Leistungen der kongenitalen Legastheniker im Zahlenlesen und Diktatschreiben (von Zahlen) beweisen dem Autor, daß die Störung ganz allein in einer Anlageschwäche speziell für das Vereinigen von Buchstaben zum Wort (oder zu Silben) bzw. der Analyse der Worte in die Buchstaben besteht.
Diese Differentialdiagnose gegenüber anderen Formen von Legasthenien wird nicht dadurch überzeugender, daß nur bei 70% dieser 13 Fälle ein Erbgang sicher nachweisbar war. Unter den 13 Symptomträgern sind 8 (61%) mit einem Intelligenzquotienten unter 0,89—der üblichen Schwachsinnsgrenze—und außerdem mit erheblichen Differenzen zwischen Verbal- und Handlungsteil im Hamburg-Wechslerschen Intelligenztest, die den Verdacht einer frühkindlichen Hirnschädigung nahelegen. Der Hinweis, daß der HAWI die Fähigkeiten des Lesens und Schreibens unterstelle, hätte den Autor ja gerade veranlassen sollen, diese Methode zu vermeiden. Wegen der Differentialdiagnose einer cerebralen Läsion erscheint die Notwendigkeit, weitere experimentalpsychologische Verfahren anzuwenden (Benton, Bender, marble board o. ä.), besonders zwingend. Leider sind die Fälle diesbezüglich nicht weiter untersucht worden.
Dieser Sachverhalt ist deswegen so bedeutsam, weil der Autor zwar eine umfassende und detaillierte Auseinandersetzung und Darstellung der Literatur gibt, aber auch feststellen muß, daß die Ätiologie dieser seit 1885 bekannten Störung völlig unklar ist und daß nicht einmal eine einheitliche Terminologie existiert. Für den Leser, der sich über den Problemkreis der Schreib-Leseschwäche orientieren will, muß der Eindruck entstehen, daß die kongenitale Legasthenie d