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Lersch hat ein Kompendium der Sozialpsychologie geschrieben und versucht, „Gesichtspunkte der Orientierung zu geben, die es ermöglichen, die Mannigfaltigkeit der Tatsachen menschlichen Zusammenlebens nicht als ein summatives Nebeneinander zu sehen, sondern als Teile eines übergreifenden Ganzen zu verstehen“ (S. 5). Das Ziel schon impliziert die Ideologie: Mag sein, daß das Buch ein vorzügliches Repetitorium fast schon klassischer Autoren für angehende Psychologen ist, daß es ein gutes Brevier für traditionelle Leser abgibt. Sicher werden auch alle sozialpsychologischen Stichworte abgehandelt—von Kommunikation über Interaktion, Gruppe bis hin zu Status und Rolle —, jenes „übergreifende Ganze“ indessen ist kaum mehr als die subjektive Perspektive einer verstehenden, phänomenologischen, ganzheitlichen bürgerlichen Psychologie, in der die empirisch mangelhaft abgesicherte Theorie durch eine halbwegs irrationale Sprache und durch die Fassade der Deskription ersetzt wird.
Das dynamische Sujet „Sozialpsychologie“ ist im psychologischen Ansatz Lerschs weithin zu hehrer Statik erstarrt. In dieser Sozialpsychologie werden kaum Ursachen, Wirkungen, Regelkreise oder psychogenetische Prozesse gezeigt, um so mehr aber phänomenologische Portraits von Zuständen. Man erfährt, was es an sozialpsychologischen Dingen so alles gibt, erhält aber wenige und simple Informationen