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Alice Balint wendet sich in ihrem erstmals 1931 erschienenen, jetzt von G. Biermann und H.-E. Richter erneut herausgegebenen Buche an alle, die ein Kind in seinen frühen Lebensjahren als Erzieher begleiten. Sie selbst nennt ihre Ausführungen eine „orientierende Arbeit“. Daß ihre Bedeutung aber weit über die einer Einführung hinausgeht, insbesondere die Ausführungen über den Kastrationskomplex, die frühkindliche Onanie und die Identifizierung von jedem Psychologen mit großem Gewinn zu lesen sind, sei ausdrücklich hervorgehoben. Eine klare Diktion und viele sprechende Beispiele machen die Lektüre zu einem ungetrübten Vergnügen.
Das Hauptziel der Erziehung besteht für A. Balint darin, „aus dem Kinde ein soziales Wesen zu formen“ (S. 33). Der Weg zu diesem Ziel führt jedoch nicht über rigorose restriktive Maßnahmen, die nur in einem allgemeinen (der Narkose gut vergleichbaren) Stumpfsinn auf dem Gebiet der Selbsterkenntnis enden können (S. 112). A. Balint plädiert immer wieder dafür, in der Erziehung von Anfang an soviel wie möglich auf die Vernunft, die Einsicht des Kindes hinzuwirken (S. 107), wobei ihr allerdings völlig klar ist, daß eine gute Entwicklung auf einer verständnisvollen Wechselbeziehung beruht; denn: „Die Erzogenheit des Kindes beruht also ursprünglich nicht auf Einsicht, sondern auf Gefühlen“ (S. 33). Die Schlußfolgerung ergibt sich mit Zwangsläufigkeit: „An diesem Punkte wird aus der Pädagogik in vollem Maße Psychologie“ (S. 20). Das Erziehungsproblem besteht nämlich darin: „Wir müssen jenen Weg finden, auf welchem das Kind (nicht der Erzieher, Ref.) mit möglichst geringen Opfern (d. h. am ökonomischsten) das jeweilige praktische Ziel erreichen kann“ (S. 19) und: „Wenn wir annehmen, daß aus dem Kinde ein soziales Wesen zu formen das Hauptziel der Erziehung ist, so müssen wir jenen Befriedigungsarten Vorschub leisten, die die Annäherung des Kindes an seine Umgebung fördern“ (S. 33).
In mehreren Kapiteln sucht A. Balint beim Erzieher Verständnis für die fr