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Zulligers neues Buch, das auch einige schon früher veröffentlichte Aufsätze enthält, ist zugleich sein letztes Werk. Der Autor starb am 18. Oktober 1965, zur Zeit als die vorliegende Aufsatzsammlung im Druck war. Sie erinnert uns daran, daß Hans Zulliger, einer der ersten Analytiker, nicht nur Lehrer und ein großer Freund von Kindern und Jugendlichen, sondern auch Dichter war.
Es gelingt ihm in diesem Buch - wie in nahezu allen seinen psychologischen Schriften - sein gründliches theoretisches Wissen und seine reiche praktische Erfahrung an allgemein leicht verständlichen Beispielen zu illustrieren und dadurch einem breiten Leserkreis zugänglich zu machen.
Der Autor versucht hier neuerdings, bei Eltern und Erziehern Verständnis für die kindliche Erlebnisweise, diesmal im besonderen für die entwicklungsbedingten Ängste mit allen ihren möglichen Gefahren, zu wecken. Er bespricht mehrere Theorien über Ursache und Entstehung von normalen und pathologischen Ängsten bei Kindern und Jugendlichen. Die beiden Freudschen Konzeptionen über die Angst, Jungs Begriff der „Ur-Ängste“, die sogenannte „Existenzangst“, sowie Theorien über Geburtsangst und Trennungsangst werden kurz behandelt. In den theoretischen Kapiteln versucht Zulliger auch die Freudsche Strukturtheorie, die Lehre von der infantilen Sexualität, Kastrationsangst und Penisneid, die Abwehrmechanismen u. a. m. einzubauen.
Zulliger war als junger Lehrer - beeindruckt von den neuen Erkenntnissen der Psychoanalyse - bereit und auch imstande, deren Richtigkeit auf Grund unvoreingenommener Beobachtung an Kindern aus eigener Erfahrung zu bestätigen. Er blieb bis zu seinem Tode bemüht, mit ansprechenden Geschichten aus seiner Praxis als Lehrer und Kindertherapeut einen großen Personenkreis an der Psychoanalyse zu interessieren. Dies wird auch mit diesem Buch gewiß erreicht werden, in dem Zulligers großes Einfühlungsvermögen und nicht zuletzt seine besondere Begabung, erworbenes Wissen intuitiv richtig anzuwenden, deutlich wird.