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Es scheint einer Rechtfertigung zu bedürfen, daß ein anthropologisches Werk in dieser Zeitschrift besprochen wird, und als nächstliegende bietet sich die Tatsache
an, daß der Verfasser sein Fach als „wissenschaftliche Menschennaturkunde“ bezeichnet, unter deren „Wegbereitern“ auch Sigmund Freud gewesen sei (cf. V); zudem versteht der Hamburger Ordinarius für Anthropologie diese Wissenschaft offenbar als Integrationswissenschaft, die buchstäblich alles, was sich mit menschlichem Verhalten irgend in Zusammenhang bringen läßt (cf. das Sachverzeichnis!), zum Bestandteil eines „naturkundlich begründeten Menschenbildes“ (IX) zu machen habe, so daß sich unter den disparatesten Gegenständen dieser Synopse - sie reicht von der embryonalen Entwicklung bis zu Problemen der Hausgehilfinnen und der „Fernsehkrankheit“ - auch psychologische und psychoanalytische Sachverhalte befinden. Aber weil dieses Werk zum größten Teil eine Kompilation bereits bekannter Forschungsergebnisse ist - darunter zahlreiche des Verfassers selbst -, wäre es ein wenig lohnendes Unterfangen, Erörterungen von Problemen der Psychologie oder einer anderen Wissenschaft hier herauszugreifen und gesondert zu diskutieren. Bemerkenswert ist an diesem Buch allein die Betrachtungsweise der Dinge oder, mit Hegels Worten, die „Stellung des Gedankens zur Objektivität“; sie soll hier etwas näher analysiert werden, weil sich an ihr exemplarisch die implizite Erkenntnistheorie zahlreicher gegenwärtiger Forschungen demonstrieren läßt.
Der Verfasser bezeichnet seine Methode selbst als die einer wissenschaftlichen Menschennaturkunde, deren Befunde sich zu einem „naturgeschichtlichen“ Menschenbild zusammenschließen sollen (cf. 1); sein Buch soll „den“ Lebenslauf „des“ Menschen erzählen, „also das, was von jedem Menschen erzählt werden kann: Die Naturgeschichte seines Lebens“ (ibid.). Weil sich der Verfasser aber hierbei keineswegs auf die sogenannten natürlichen Lebensfunktionen beschränkt, stellt sich notwendig die Frage,