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Charakteristische Interviewsituationen mit bestimmten Patiententypen
Motive, die zu dem Entschluß führen, ein Erstinterview aufzusuchen, verteilen sich über eine breite Skala von bewußten Beweggründen bis zu unbewußten Phantasien, Erwartungsvorstellungen, Hoffnungen usw. Unabhängig von diesen Motiven rückt bei verschiedenen Patienten ein überindividuelles Moment in den Vordergrund, das die Interviewsituation von Anfang an strukturiert.
Ein typisches Beispiel ist der vorgeschickte oder vorgeschobene Patient, dessen „Krankheit“ als Symptom einer Krankheit anderer präsentiert wird. Trotz aller Bemühungen, nur den anwesenden Patienten zu untersuchen und seine Anstrengungen, andere Personen ins Gespräch zu bringen, als Abwehrmaßnahme anzusehen, kann man sich gelegentlich der Einschaltung dieser anderen nicht entziehen. In der Kindertherapie ist dieser Vorgang geläufiger und erfordert genaue Überlegungen: Wer ist der Patient? Wer bedarf einer Behandlung? Bei wem kann man therapeutisch am besten ansetzen?
In der Mehrzahl der Fälle meldet sich nicht der abgesandte Patient selbst, sondern der Ehemann, die Mutter usw. Eine Untersuchung wird sehr dringend gefordert. Überhaupt soll „schnell etwas geschehen, weil es so nicht mehr weitergeht“. Der Auftakt ist oft entsprechend laut und stürmisch. Die weitere Entwicklung variiert sehr stark. Manchmal kommt der abgesandte Patient überhaupt nicht, wenn man nämlich die Bedingung stellt, daß er aus eigenem Antrieb und ohne äußeren Zwang zur Untersuchung kommen soll. In Ausnahmefällen kann sich hinter dem abgesandten Patienten ein reales, d. h. psychotherapeutisch nicht anzugehendes Problem herausschälen, z. B. eine Geisteskrankheit, eine Organkrankheit oder ein akutes Ereignis, das einer sofortigen äußeren Lösung bedarf. Die eigentliche Untersuchung wird hier durch eine Aufklärung und Beratung ersetzt. Wie vielschichtig sich die Verhältnisse darbieten, zeigen die nachfolgenden Beispiele:
Eine Dame erscheint unangemeldet und bittet in ein