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„Ob in solchen Situationen nicht auch die Sicht und Sprache des Künstlers wissenschaftlich Relevantes (gemeint ist zur „Psychopathologie“, Ref.) zu vermitteln hat? Das ist die Frage, um die es in dieser Arbeit geht.“ So schreibt der Tübinger Psychiater Schulte in. seiner Einführung zu dem zu rezensierenden Buch. Der Autor betrachtet also die in der modernen epischen Literatur beschriebenen psychopathologischen, im engeren Sinne psychotischen Phänomene unter dem Aspekt der Dimensionserweiterung der Erfahrung für den psychiatrischen Fachmann. Er nimmt eine Art Ablösung des „psychologischen Romans“ durch den „psychiatrischen Roman“ an; ob das richtig ist, müssen die Literaturhistoriker entscheiden. Jedoch ist die literaturgeschichtliche Richtigkeit für die hier gegebene Problemstellung nicht von Bedeutung.
Der Autor will keine Biographie, Psychographie oder Pathographie des Schriftstellers geben und auch keine Beziehungen zwischen Aussagegehalten der Dichtung und Persönlichkeit oder lebensgeschichtlichen Einflüssen beim Dichter herstellen. Er weist darauf hin, daß jener Ansatz vielfach schon in der Psychopathologie von Möbius bis Jaspers und vor allem dann auch von der Psychoanalyse durchgeführt worden ist. Er will zum zweiten — und dies erscheint uns besonders bedeutsam — die dichterische Gestaltung psychopathologischer Phänomene nicht einer Kritik auf ihre psychiatrische Richtigkeit hin unterziehen, wie dies z. B. Hoche in etwas beckmesserischer Art getan hat. Ganz im Gegenteil, der Autor will vom gestaltenden Künstler lernen, er möchte sich bereichern lassen. In extenso werden behandelt: Büchners „Lenz“, eine frühe Schizophrenie-Darstellung, Kafkas Werk, Benn, Heym, Virginia Woolf und Faulkner und endlich Musil.
Hier sei nur auf die Behandlung von Kafkas „Verwandlung“ eingegangen. Der Autor sieht diese Erzählung als die eigentliche psychopathologische Gestaltung von Kafka an; wir finden die Herausarbeitung der Reaktionen der. Angehörigen auf die Verwandlung des Gregor