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Die modernen, sehr wirksamen Psychopharmaka sind in den zivilisierten Ländern zum hauptsächlichen und universellen Behandlungsinstrument für nahezu alle Leidensformen geworden, die zum Psychiater kommen. Ihre Bedeutung als Symptomheilmittel ist außerordentlich. Die Psychopharmaka haben die Psychiatrie innerhalb der naturwissenschaftlichen Medizin gleichsam rehabilitiert und die auffallenden, abnormen Verhaltenssymptome vieler psychiatrisch Kranker soweit entschärft, daß die Rückkehr der Psychiatrie in die sogenannte normale Gesellschaft endlich mit Aussicht auf Erfolg betrieben werden kann.
Psychoanalytisch argumentierende Kritik, daß die symptombildenden Persönlichkeitszüge der Kranken dabei unbearbeitet blieben, stimmt zwar im Prinzip zuallermeist, geht aber daran vorbei, daß auf diese Weise das Leid der Hunderttausende hier und jetzt entscheidend gelindert, Schübe und Phasen abgekürzt und Arbeits- und „Familienfähigkeit“ wiederhergestellt werden. Es wäre ein ebenso kurzsichtiger Irrtum zu wähnen, die Psychopharmakotherapie könnte die psychoanalytische Zusammenarbeit von Arzt und Kranken ersetzen.
K. Wenger als einer von sieben Mitarbeitern des Kielholzschen Buches behandelt in seinem Kapitel „Psychiatrische Pharmakotherapie und Psychotherapie“ aus psychoanalytischer Sicht die wichtigen Fragen der Verknüpfung beider Arten von Leidenshilfe. Den Rahmen bildet unser gesichertes Wissen um die verschiedenen Rollen, die irgendein Medikament, wie auch jede andere nichtdialogische Aktivität des Analytikers für Patient und Arzt haben können.
In den übrigen Kapiteln werden im 1. Teil Einteilung, Grundeffekte, Begleiterscheinungen und Dosierung der modernen Psychopharmaka besprochen. Hinzu kommt ein Kapitel über den Einfluß auf die Struktur der psychiatrischen Spitäler. Im 2. Teil ist die spezielle Psychopharmakotherapie von 9 psychiatrischen Syndromgruppen sowie der psychosomatischen Reaktionsweisen im einzelnen dargestellt. Petrilowitschs Buch ist wesentlich an der Bewahrung