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Synopsis. — Es wird die These vertreten, daß die Rituale des männlichen Zwangskranken dem Zweck dienen sollen, das Paar Vater und Sohn auf der magischen Ebene einer wahnhaften Zwei-Einheit zu schützen. Die liebevolle Sorge um den Vater, gegen welche als Abwehr wieder Todeswünsche auftauchen, ist durch homosexuelle Intensität charakterisiert. Die Frau repräsentiert entweder den Vater selbst in anderer Verkleidung oder „das Böse“, das in die Zwangsformel sich einschleichen kann, wenn die Isolierung, durch welche sie herausgehalten werden soll, versagt. — Dies wird durch Vergleiche zwischen dem „Rattenmann“ und Fällen aus der Praxis der Autorin, darunter einem Fall mit einem zwanghaften Einschließritual, demonstriert.
1. — Freuds Falldarstellung des „Rattenmannes“1 ist deswegen von so außerordentlichem Wert, weil in ihr das bizarre, bis dahin fast unerklärliche, obwohl keineswegs unbekannte Syndrom der Zwangsneurose zum erstenmal klar beleuchtet wird2. Das Hauptmerkmal darin ist nicht die charakteristische Unfähigkeit des Patienten, Entscheidungen zu treffen3, sondern der eigenartige Zwang, rituelle Handlungen zu vollziehen, deren Unterlassung gefährlich wäre, obwohl sie in merkwürdigem Gegensatz zu dieser unheimlichen Bedeutung unerheblich und trivial erscheinen.
Leider ist Freuds Patient „wie so viele andere wertvolle und hoffnungsvolle junge Männer im großen Krieg umgekommen“ (463)4, und seine Behandlung konnte daher nicht wieder aufgenommen werden.
Freud hatte zunächst geglaubt, daß sein Patient in einer nur wenig über 11 Monate dauernden Analyse seine psychische Gesundheit wiedererlangt habe (463), aber die Heilung muß ihm dann doch nicht so vollständig erschienen sein, wie er zuerst gemeint hatte (381), denn am Schluß seines Berichtes schreibt er (463), er hoffe, daß seine „in jedem Sinne unvollständigen