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Das Verhalten beim Tode eines nahestehenden Menschen hat sich auffallend geändert. Bis vor etwa 40-50 Jahren wurden Trauerrituale wie das Tragen schwarzer Kleider und das Trauerjahr fast allgemein eingehalten und von der Gesellschaft unterstützt, ja geradezu gefordert. Heute werden sichtbare Zeichen der Trauer dagegen eher als peinlich empfunden, und es wird erwartet, daß der Trauernde seine alltägliche Beschäftigung so fortsetzt, als wäre nichts geschehen.
In der Vorstellung vieler Menschen, so meint der vor allem die angelsächsischen Sitten beschreibende Autor, sei die Einladung zu einer fröhlichen Cocktailparty eine passende Form der Kondolenz. Das Wort Tod auszusprechen, würde mit geradezu hysterischer Angst vermieden. Zunehmend wird das normale seelische Geschehen der Trauer als Depression bezeichnet, und damit in den Bereich des Pathologischen verwiesen.
Diese radikale Änderung im Verhalten und in der Einstellung einer Gesellschaft dem Tod und der Trauer gegenüber veranlaßte den Autor zu einer Untersuchung, in deren Verlauf er Interviews mit 359 Personen, die einen nahestehenden Menschen verloren hatten, durchführte. Sie entstammten den verschiedensten sozialen Schichten Englands. Nur in der Schicht der ungelernten Arbeiter, so stellte es sich heraus, wurde noch weitgehend an den Trauerritualen festgehalten. Die höheren sozialen Schichten lehnten sichtbare Äußerungen der Trauer ab; sie werden als ein Sichgehenlassen angesehen. Der Tod und die Trauer werden so weitgehend abgelehnt, daß die heutige Gesellschaft die Wahrnehmung dafür verloren hat, wie wichtig es für die seelische Gesundung eines Trauernden ist, Ausdruck für seine Gefühle zu finden. Die Interviews ergaben, daß sich eine Anzahl von Symptomen entwickelte, wenn die Trauer nicht erlebt und durchgearbeitet werden konnte. Je geringer die Möglichkeit dazu war, um so bleibender und schwerer erwiesen sich die seelischen Störungen, die in Form von Schlaflosigkeit, Apathie oder auch Oberaktivität auftraten. Fe