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Wir befinden uns in einer geschichtlichen Epoche, in der es aus Sorge um die menschliche Destruktivität dringlich geworden ist, nach Erkenntnissen über diese Aggressionsneigung zu suchen. Unter dieser Neigung verstehen wir eine angeborene, unabhängige Triebveranlagung des Menschen (Freud, 1930). Es gibt wohl kaum jemanden, der bezweifelte, daß diese Destruktivität einzigartig und eine Eigenschaft ist, die den Menschen von allen anderen Lebewesen unterscheidet.
„Und geschieht Entsetzliches, kaum faßbar Grausames unter Menschen, so reden viele gedankenlos von ‚Brutalität,‘ von tierischer Roheit, von Rückfall in tierische Stufen …! Als gäbe es Tiere, die ihresgleichen das antäten, was sich Menschen an Leid zufügen. Gerade hier muß der Zoologe mit auf eine klare Grenze hinweisen: Dieses Böse, dieses Grauenhafte, das ist kein tierischer Rest, der beim unmerklichen Übergang eben mitgekommen wäre: hier ist eine scharfe Grenze; dieses Böse, es gehört ganz diesseits der Grenze zum richtigen Menschlichen …“ (Adolf Portmann, 1943, S. 68/9).
Als ein wahrscheinlich noch zu tief angesetzter Gradmesser dieser zerstörenden Aggression wurde geschätzt, daß zwischen den Jahren 1820 und 1945 in Kriegen, Überfällen und anderen Kämpfen mit tödlichem Ausgang 59 Millionen menschlicher Lebewesen getötet wurden (Richardson, 1960).
Dies ist nun der gegebene Zeitpunkt, René Spitz, der so viel zur Erkenntnis der frühesten Libido- und Aggressionsentwicklung des Menschen beigetragen hat, dafür zu danken, daß wir auch die bewahrenden, der Anpassung dienenden Funktionen der angeborenen menschlichen Aggressionsenergien sehen, und daß wir es in der Richtung tun, die er gewiesen und beleuchtet hat. In der vorliegenden Arbeit soll über Beobachtungen an einer kleinen Zahl schwerkranker, hospitalisierter Kinder berichtet werden, für welche die moderne Medizin wohl die lebensrettende physiologische Therapie beibrachte, deren Genesung jedoch von Anbeginn durch die Reaktion auf die Trennung von der Mutter bloc