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Erwin Straus ist einer der großen und bedeutenden Psychiater, die Deutschland durch seine nationalsozialistische Verblendung verlor. Neben seinen Untersuchungen über Zeiterleben und Zeitstruktur in den Psychosen, besonders bei der Melancholie,
ist Straus vor allem durch die Herausarbeitung der „nicht intentionalen“ Leistungen des Empfindens bekannt geworden. (Vom Sinn der Sinne, Springer, Berlin, 1935). E. Straus zeigte uns die in in der Wahrheit des Empfindens, die in der pathischen Lebensform liegende welterschließende Kraft, welche den intentionalen Leistungen des Bewußtseins vorausliegt. Er gehört insofern zu denjenigen zeitgenössischen Denkern, die unter Betonung der je schon gegebenen und je schon situativ gebundenen Seinsweise des Leibes eine „Philosophie der Endlichkeit“ mit begründeten.
Im vorliegenden Band sind außer einem Brief L. Binswangers 21 Aufsätze vereinigt, die Schüler und Freunde E. Straus zu seinem 75. Geburtstage gewidmet haben. In ihnen spiegelt sich die Fruchtbarkeit des Strausschen Denkansatzes für psychiatrisch-anthropologische Betrachtungen. Sie im einzelnen zu referieren, ist hier nicht möglich. Ich will nur kurz auf einige Artikel hinweisen, die für den Psychoanalytiker von Interesse sein dürften.
W. von Baeyer gibt uns in dem Aufsatz „Situation, Jetztsein und Psychose“ eine wichtige Analyse der Situation und ihrer Dynamik: „Was situagen wirksam ist, erweist sich nicht allein, nicht einmal in der Hauptsache, an den gefühlsmäßigen Reaktionen auf Erlebnisse, sondern an dem meist verdeckten Zusammenhang des Verhaltens und des Lebens mit dem situativen Ganzen, auch mit dem Leib und seinen Widerfahrnissen“ (S. 18). Von hier aus gewinnt von Baeyer Einblick in das „Jetzt-sein“ der endogenen Psychosen, das aufgefaßt wird „nicht als ‚objektive‘ kalendarisch-urzeitliche Koinzidenz von pathogener Situation und Psychose, sondern als situative, d. h. innere Erlebnis- und äußere Geschehnismomente in sich vereinende Zeitigung“ (S. 33). Freilich gelingt