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Die klinische Psychiatrie kennt als leitende Symptome depressiver Psychosen Schuldgefühle, hypochondrische Befürchtungen, Verarmungsängste oder Verarmungsgewißheit und schließlich vitale Traurigkeit und vitale Hemmung. Wenn diese Symptome einzeln oder auch gekoppelt auftreten, ohne daß weder ein schweres körperliches Leiden zu ermitteln ist, noch „Lebensverhältnisse“ bestehen, die nach dem „unmittelbaren Selbstverständnis“ des Beobachters den Charakter schwerer und schwerster seelischer Belastungen aufweisen, dann heißt es, diese Symptome seien „grundlos“, „unableitbar“ und „unverstehbar“ (H. J. Weitbrecht, 1960, 79). Ja, beim Ausfall beider „Begründungen“ des depressiven Aspektes spricht die klinische Psychiatrie etwa mit H. Tellenbach (1961, l. c. 139) geradezu davon, daß wir hinsichtlich der Frage, woher denn die depressiv-melancholischen Syndrome kommen, an eine „docta ignorantia“ stoßen, womit gemeint wird, über diejenigen Vorgänge, die die präpsychotische Erlebnisform in die psychotische umwandeln—Tellenbach nennt diesen Geschehensablauf „Endokinese“ (l. c. 144 ff.) —, sei es unmöglich, etwas Greifbares oder Verbindliches, auszusagen (vgl. auch mit W. Jancarik, 1956). Die Endokinese bezieht sich dabei auf jenen „Augenblick der Abwandlung …“, da „das Selbst mit seinem Thema (etwa der Verstimmung, Ref.) nicht mehr ‚umgeht‘ …, vielmehr vom Thema umgetrieben wird“ (l. c. 147, i. Orig. hervorgeh.). Ich glaube, man kann zeigen, daß exakt in dieser von der klinischen Psychiatrie zur terra incognita erklärten Region die psychoanalytische Aufschlüsselung depressiver Zustandsbilder wichtige Aussagen machen kann und damit dem pathogenetischen Verständnis eine neue Dimension eröffnet.
Zunächst setzt die psychoanalytische Untersuchung dort an, wo die Symptomatik ihren Anfang nimmt, d. h., um einen von v. Baeyer geprägten Terminus aufzunehmen, sie studiert die „Situagenie“. Sie versucht also festzustellen, warum ein bestimmtes, womöglich „objektiv