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Der um die Aufklärung der Vielschichtigkeit pathogenetischen Geschehens beim Zustandekommen eines Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwürs so verdiente Arthur Mirsky hat einmal eine Definition der psychosomatischen Medizin gegeben: „Psychosomatisch heißt nicht psychogen. Andererseits bedeutet es auch nicht die Abwesenheit einer genetischen Determinante. Es will einzig besagen, daß für die Entwicklung einer Krankheit ein aus dem Erleben stammender Faktor eine wesentliche, aber nicht ausschlaggebende Bedingung ist“1. Sich dieser Definition zu erinnern, erscheint zweckmäßig, nachdem trotz langer Bemühung um das Verständnis der Ulcus-Krankheit noch so vieles unserem Blick rätselhaft geblieben ist.
Zunächst ist die Tatsache einigermaßen erregend, daß nahezu jedes Ulcus ventriculi oder duodeni mit Hilfe der Therapie ausheilt. Aber es heilt auch ohne jede Therapie aus. Mancher therapeutische Erfolg, den der Arzt sich zuschreibt, kann durchaus eine Spontanheilung gewesen sein. Wie es zur Heilung kommt, ist in vielen Stücken ebenso dunkel wie das periodische Auftreten der Krankheit.
Außerdem müssen wir uns darüber klar sein, daß sehr viele Kranke nach einer langen Leidensgeschichte, also bei einem chronifizierten Ulcusleiden, durch eine internistische wie eine psychotherapeutische Beeinflussung nicht mehr zu erreichen sind. Durch einen chirurgischen Eingriff (nach Billroth II), der einen Teil des Magens entfernt, können sie jedoch rasch beschwerdefrei werden. Sie bleiben auch in sehr vielen Fällen symptomfrei. Was bedeutet das?
Der Magen ist ganz offensichtlich ein Organ, das in seinen Leistungen sehr variationsfähig ist. Das ist mit einigen Beobachtungen zu belegen. Mit ihrer Aufzählung läßt sich ein Stück Geschichte und Wesensbestimmung der psychosomatischen Medizin verbinden.
Das Ehepaar Crisler—von Beruf Tierfotografen—hat in seinem Buch „Wir heulten mit den Wölfen“2 von Beobachtungen in der Arktis berichtet. Während 18 Monaten lebten sie in der Nähe von Wölfen. Da sie einen Wur