You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Ausgehend von einer kinderpsychiatrischen Fallskizze soll ein Bezug hergestellt werden zu den Beobachtungen Willi Hoffers.
In der Ambulanzsprechstunde meiner Klinik sah ich einen 4 1/2 Monate alten Säugling, der von seiner Mutter gebracht wurde; außerdem war noch die Großmutter väterlicherseits anwesend. Diese Großmutter hatte auch um die Konsultation gebeten. Sie ging jedoch fort und ließ mich mit der Mutter und dem Säugling allein.
Die junge Frau hatte noch ein älteres Kind, ein nunmehr dreijähriges Mädchen. Dieses war 10 Monate lang gestillt worden und hatte sich völlig normal entwickelt. Zur Zeit der Geburt ihres ersten Kindes hatte die Mutter mit eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, darunter nächtliches Alpdrücken, das sie mit der gespannten Beziehung zu ihrer eigenen Mutter in Verbindung brachte. Aber diese Ängstlichkeit der Mutter hatte die frühkindliche Entwicklung des Töchterchens anscheinend nicht behindert. Sogar die etwas gefühllose Haltung der Schwestern auf der Entbindungsstation (sie hatten das Kind mit der Nase an die Brust der Mutter gepreßt, um es zum Saugen zu bringen) hatte die Mutter in ihrer Pflege dieses älteren Kindes nicht irre gemacht.
Vor Ankunft des zweiten Kindes hatte die Mutter sich durch Lesen einige neue Erkenntnisse zu eigen gemacht. Nach der Geburt des Sohnes verhielt sie sich sehr einfühlsam, ließ den Säugling die Brust mit den Händen finden, und so war die erste Säuglingszeit in jeder Beziehung befriedigend verlaufen. Trotzdem aber, und obwohl die Mutter diesmal viel weniger ängstlich war als bei der Geburt des ersten Kindes, erwies sich der kleine Junge als „schwierig“.
Nachdem zunächst alles gutgegangen war, begann der Säugling mit zwei Monaten, die Brust bei der Mahlzeit am frühen Abend zu verweigern. Das gab sich zwar wieder, aber in der folgenden Woche verweigerte er wieder eine Mahlzeit an der Brust. Die Mutter hatte zu jener Zeit wieder ihre Menses, aber da das Kind die abgepumpte Muttermilch aus der Flasche ohne weiter