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Es ist nicht ganz einfach, die Entwicklung von Freuds Denken über die Schizophrenie zu verfolgen, zum Teil deshalb, weil Freud nicht klar definiert hat, was er unter Neurose beziehungsweise Psychose verstand. Zilboorg (1954) hat darauf hingewiesen, daß Freuds offenbare “nosologische Nachlässigkeit” sich vielleicht aus einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber den diagnostischen Bezeichnungen herleitet. Ein frühes Beispiel findet man in Freuds erstem Brief an Wilhelm Fließ, in dem er — ohne nähere Begriffsbestimmung — schrieb: “Der Neurasthenie darf die hypochondrische Alteration, die Angstpsychose nicht fehlen …” (1887-1902, 59). Er äußerte sich auch direkt zu dieser Frage in einer Bemerkung: “Es ist aber im ganzen nicht sehr wichtig, wie man Krankheitsbilder benennt” (1911, 313). In seinem letzten Werk (1940, 125) schreibt er: “Wir haben erkannt, daß die Abgrenzung der psychischen Norm von der Abnormalität wissenschaftlich nicht durchführbar ist.”
In der 1893 niedergeschriebenen Fassung der Studie “Über die Berechtigung, von der Neurasthenie einen bestimmten Symptomenkomplex als ‘Angstneurose’ abzutrennen” teilt Freud (1895) die Hysterien in erbliche und traumatische ein und behauptet, alle Fälle einer “erworbenen” Hysterie hätten einen genital-sexuellen Ursprung. Er unterschied zwischen periodischer Depression, die er als dritte Form der Angstneurose betrachtete, und der eigentlichen Melancholie, wobei er unterstellte, daß letztere erblicher Natur sei. Freuds erhaltene Briefe an Fließ lassen in Zweifel darüber, ob Freud mit Melancholie die neurotische oder die psychotische Depression meinte. Die gleiche Ungenauigkeit findet sich in der deutschen psychiatrischen Literatur jener Zeit übrigens häufiger.
Freud unterschied also zwischen psychopathologischen Zuständen erblichen und solchen erworbenen Ursprungs; bei seinen frühen Versuchen, die Gründe der erworbenen Neurosen und Psychosen zu verstehen, schloß er organische Erklärungen nicht aus. Um 1893 hatte er die Hypnot