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Lange Zeit war die pädagogische Psychologie ein Stiefkind der psychologischen Wissenschaft. Es fehlte an einer durchdachten Gesamttheorie wie an empirischer Detailforschung. Die bisher vernachlässigte Disziplin beginnt sich jetzt zu konsolidieren und eigene theoretische und methodische Ansätze zu entwickeln.
Diese neue Tendenz hat ihren Niederschlag in einem von F. Weinert herausgegebenen Textband gefunden, der 37 deutsche und ausländische Arbeiten zur pädagogischen Psychologie des schulischen Lernens und Lehrens umfaßt. Die Beiträge gliedern sich nach den Themenkreisen: Aufgaben und Probleme der pädagogischen Psychologie; differentialpsychologische, sozialpsychologische und prozessuale Bedingungen des schulischen Lernens; psychologische Grundlagen des “programmierten Lernens”; schulische Lernschwierigkeiten; Probleme der Schülerbeurteilung; die Bedeutung der Schulbildung in psychologischer Sicht. Der Einleitungs-Essay des Herausgebers und die einführenden Bemerkungen zu den einzelnen Themenkreisen lassen ein klar durchdachtes Gesamtkonzept einer pädagogischen Psychologie des schulischen Lernens erkennen.
Für den Erziehungsberater und den Kindertherapeuten dürften vor allem die Arbeiten von R. Lippitt und M. Gold (Die soziale Struktur der Klasse als psychohygienisches Problem), K. Lewin (Eine dynamische Theorie des Schwachsinnigen), H. Zulliger (Untersuchung eines Falles von Pseudodebilität) und von L. Kemmler und H. Heckhausen (Ist die sogenannte “Schulreife” ein Reifungsproblem?) von Interesse sein.
Die Psychoanalyse hat bereits frühzeitig auf die affektiven Grundbedingungen erfolgreichen Lernens und auf die häufigen emotional bedingten Lernstörungen aufmerksam gemacht. Diese psychodynamischen Aspekte einer Theorie des Lernens treten im vorliegenden Bande weit zurück — wohl deshalb, weil sie einer exakten empirischen Erforschung schwerer zugänglich sind. Irreführend ist der Titel des Bandes, denn eine Psychologie des schulischen Lernens darf heute weniger denn je den