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Fallberichte über sterbende Patienten sind selten. In dem im Jahre 1915 erschienenen Aufsatz „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“ erörtert Freud unser Verhältnis zum Tod als „kein aufrichtiges. Wenn man uns anhörte, so waren wir natürlich bereit zu vertreten, daß der Tod der notwendige Ausgang alles Lebens sei, daß jeder von uns der Natur einen Tod schulde und vorbereitet sein müsse, die Schuld zu bezahlen, kurz, daß der Tod natürlich sei, unableugbar und unvermeidlich. In Wirklichkeit pflegten wir uns aber zu benehmen, als ob es anders wäre. Wir haben unverkennbare Tendenz gezeigt, den Tod beiseite zu schieben, ihn aus dem Leben zu eliminieren. Wir haben versucht, ihn totzuschweigen“ (S. 289). Angesichts der Universalität der Todeserfahrung könnte der relative Mangel an Fallmaterial, das sich mit sterbenden Patienten beschäftigt, auf eine immer vorhandene Abneigung, sich mit dem Sterben zu beschäftigen, hindeuten. Das ist nahezu von allen Autoren, die über sterbende Patienten geschrieben haben, vermerkt worden (Aronson, 1959; Brodsky, 1959; Eissler, 1955; Feifel, 1959; ; Sandford, 1957; Saul, 1959; Weisman und Hackett, 1961). Zur gleichen Zeit plädieren sie für eine tiefergehende Analyse der Psychologie des Todes und behaupten, daß der Psychiater mit dem Sterbenden in eine psychotherapeutische Beziehung treten könne. Freud (1915, ) und Eissler (1955) haben die unbewußten wie die bewußten Gründe, den Sterbenden aus dem Wege zu gehen, am einleuchtendsten behandelt, und ich beabsichtige hier nicht, ihre Erörterungen zu wiederholen.
Im folgenden lege ich eine Fallzusammenfassung über die letzten dreieinhalb Monate des Lebens einer tapferen Frau vor, die sowohl nachdenken als auch sich mitteilen konnte. Der Fallbericht verdankt seine Existenz der Tatsache, daß alle diejenigen, die uns gewöhnlich die Notwendigkeit ersparen, den sterbenden Patienten zuzuhören, die Familie, Geistliche, Freunde oder andere Ärzte, bereits ihre Rollen aufgegeben hatten und nicht mehr dazu bewegt w