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Die nachfolgende Studie wird aus zwei Gründen vorgelegt: einmal, weil an der Person Philipps die Geschichte eines Abwehrkampfes gegen einen verdrängten Triebimpuls, ausgeführt mit den Mitteln der Reaktionsbildung, in modellhafter Weise dargestellt werden kann; zum anderen, weil es hier möglich ist, die unmittelbaren Auswirkungen dieses Abwehrkampfes auf das Schicksal Spaniens nachzuweisen. So wird der „Fall“ Philipp II. exemplarisch dafür, wie die politischen Ereignisse und damit die Geschicke der Völker unter bestimmten Bedingungen stärker durch die intimen Triebkonflikte der Regierenden bestimmt werden als durch historische Konstellationen.
Betrachtet man das Leben und das politische Wirken Philipps, so erscheinen sie wie die Nachfolge eines getreuen Sohnes, dessen ganzes Streben der Wiederholung des väterlichen Lebens und der Verwirklichung der politischen Absichten, Pläne und Ziele des Vaters gedient hat. Dieser Zug seines Wesens war so ausgeprägt, daß manche der Zeitgenossen den Eindruck hatten, Philipp sei nur der gehorsame und ergebene Weiterführer des vom Vater Begonnenen, der Vollstrecker seiner Ideen, ein bloßer Nachlaßverwalter.
Bis ins einzelne hinein übernimmt er die väterlichen Konzepte: die Niederwerfung Frankreichs, die Eingliederung Portugals in das spanische Königreich, die Verbindung Spaniens mit England, die Beherrschung der Niederlande, die Erhaltung des riesigen Kolonialreiches als ökonomisches Reservoir, die Aufrechterhaltung der Machtbalance im Verhältnis zum Papst, den Kampf und die Sorge für die Reinerhaltung des katholischen Glaubens, die Vernichtung der Andersgläubigen (Lutheraner und Mohammedaner) und die Missionierung der Kolonien. Doch am Ende seines Lebens zeigt sich, daß sich alle seine Vorhaben ins Gegenteil verkehrt haben: Spanien ist politisch völlig, unbedeutend geworden, ausgeblutet und verarmt. Die Krone hat alle Macht verloren, im Lande herrschen Willkür und Ämterpatronage, die Kolonien haben sich jeder Kontrolle entzogen. Außer