You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
In ihrer ausführlichen Besprechung meines letzten Buches „The First Year of Life“ berührt Charlotte Bühler eine Reihe von Fragen, die über den Rahmen einer gewöhnlichen Buchbesprechung hinausgehen. Sie interessieren einen weiten Kreis von Lesern: alle, die Kinder beobachten und mit ihnen arbeiten; alle, die diese Beobachtungen brauchen, um ihr Verständnis menschlichen Verhaltens zu vertiefen; alle, die sich um die Probleme von Kindern und Erwachsenen bemühen, seien sie normal oder pathologisch; und schließlich alle, die dadurch angeregt werden könnten, neue Zugänge zur Psychologie des Menschen zu entwickeln. So kann die Diskussion dieser Fragen dazu beitragen, unser Wissen um und unsere Einsicht in menschliches Verhalten zu fördern. Diese Überlegungen veranlassen mich zu ein paar Bemerkungen als Entgegnung.
Charlotte Bühlers Werk über Kinderpsychologie folgte der Tradition von Wilhelm Wundt. Parallel zu Piaget, aber unabhängig von ihm, stellte sie die Entwicklung des Kindes als in Sequenzen verlaufend dar. Sie war es auch, die, im Gegensatz zu Piagets erkenntniswissenschaftlichem Ansatz, in der Anwendung quantitativer Techniken voranging. Aufgrund ihrer theoretischen Ausrichtung legte sie größtes Gewicht auf die Rolle, die die Entfaltung von phylogenetisch vorgeformten und ererbten Anlagen und Funktionen in der Entwicklung des Kindes spielt. Wie sie in diesem Referat betont, hat sie in ihrem Werk die Berücksichtigung modifizierender Umwelteinflüsse absichtlich ausgeschlossen.
Die Psychoanalyse dagegen befaßt sich vorwiegend mit Objektbeziehungen und ihren innerpsychischen Folgen. Ihr Entstehen und die in der frühsten Kindheit mit ihnen verknüpften Affekte bilden das Hauptthema meines Buches. Es ist also eine Studie zur Naturgeschichte der Objektbeziehungen, ihrer Entwicklung, ihrer Organisation. Eine solche Untersuchung setzt aber eine Arbeitshypothese über Natur und Funktion des psychischen Apparates voraus. Diese stand erst zur Verfügung, nachdem Freud das strukture