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Während eines halben Jahrhunderts ihrer Geschichte wurde die Psychoanalyse von den neuen Entdeckungen auf anderen Gebieten der Wissenschaft verhältnismäßig wenig beeinflußt. Die verschiedenen Anwendungsgebiete der Psychoanalyse standen jedoch untereinander in fast ständiger Wechselwirkung. In diesem Sinne kann die Geschichte der Psychoanalyse als eine fortschreitende Integration von Hypothesen betrachtet werden. Die klarste Wechselbeziehung besteht zwischen den klinischen Beobachtungen und der Entwicklung der psychoanalytischen Technik' wie auch der Theorie (23, 24). So könnte man die Entwicklung der Strukturhypöthese in der Psychoanalyse, d. h. die Entwicklung der psychoanalytischen Ichpsychologie, sehr gut im Sinne einer solchen gegenseitigen Einflußnahme verfolgen.
Unter dem Einfluß seiner Züricher Mitarbeiter wandte Freud zeitweilig den Psychosen stärkeres Interesse zu. Das veranlaßte ihn, den Begriff des Narzißmus zu formulieren und so das Ich nicht als eine Anzahl isolierter Funktionen, sondern vielmehr als eine psychische Organisation zu sehen. Die zweite Gruppe klinischer Eindrücke, die die Entwicklung einer strukturellen Psychologie begünstigte, waren Freuds Beobachtungen an Patienten, die von einem unbewußten Schuldgefühl motiviert waren, sowie an Patienten, die auf die Behandlung mit einer negativen therapeutischen Reaktion ansprachen. Diese Verhaltensweisen bestätigten seine Vorstellung von der unbewußten Natur der Selbstvorwürfe und Selbstbestrafungstendenz und trugen zur Erkenntnis wichtiger Merkmale des Über-Ichs bei. Es ist kaum zweifelhaft, daß andere klinische Eindrücke, auf die sich Freud während dieser Jahre bezog, von „Charakterneurosen“ stammten, wie wir sie heute nennen würden — Fälle, bei deren Analyse die unbewußte Natur von Widerstand und Abwehr besonders deutlich wurde und die daher Formulierungen von den unbewußten und vorbewußten Funktionen des Ichs erleichterten.
Diese Ereignisse kamen jedoch nicht von ungefähr, und es ist auch nicht anzu