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Der Unterschied in der psychologischen, psychosexuellen Entwicklung zwischen Mann und Frau ist so groß, daß wir es für notwendig gehalten haben, eine Reihe von Zustandsbildern der hysterischen Neurosen für Mann und Frau gesondert abzuhandeln.
Zunächst ein Wort über die Einteilung. Wir kennen auch beim Mann den klassischen hysterischen Charakter, dessen psychopathische Variante häufig vorkommt, ebenso wie den „inhibited type“. Fernerhin gibt es den phallischnarzißtischen Typ — den Don Giovanni — und seine schon erwähnte Variante, den Don Giovanni des Erfolges.
Bei einer großen Zahl neurotischer Charaktere spielen die passiv-femininen Bedürfnisse eine hervorragende Rolle; das ist auch der Grund dafür, daß wir die Homosexualität in diesem Kapitel behandeln, obgleich diese Störung zu den Perversionen gerechnet wird. Ohne Einsicht in die Bedeutung der passiv-femininen Bedürfnisse für die Symptomatologie und Charakter-deformierungen tastet man im Dunkeln und kann die Charaktere, die hier beschrieben werden sollen, kaum verstehen: Charaktere, bei denen wir als zentralen Konflikt Arbeitsstörungen und Autoritätskonflikte finden und auch den masochistischen Charakter.
Es wird nicht beabsichtigt, nur eine Aufzählung dieser verschiedenen Charakterbilder zu geben, sondern Einsicht zu vermitteln in das Erleben von Menschen und in das Kräftespiel und die Entwicklung der Persönlichkeit. Natürlich werden die verschiedenen Typen auch besprochen. Solche Einteilungen sind für die Diagnostik nützlich; sie sind jedoch nur dann sinnvoll, wenn auch die Mechanismen bekannt sind, die bei diesen Patienten wirksam sind. Die klassische Hysterie ist auch beim Mann mit den schon besprochenen Symptomen zu beobachten: Konversion, Angst, Bewußtseinsstörungen und ebenso die Charakterzüge Unechtheit, Infantilität, Masochismus. Die Unechtheit sieht allerdings beim Mann anders aus als bei der Frau. Unechte Gefühle erstrecken sich oft auf kulturelles Gebiet; während sich die Egozentrik bei der hysterischen