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In den letzten Jahrzehnten hat die Aufmerksamkeit der Fachwelt hinsichtlich der elementaren Verbindung zwischen kulturell geprägtem Verhaltenspotential und dem Verhalten des einzelnen, zwischen biopsychologischen Kräften und den Anforderungen der Umwelt zugenommen — ein Interaktionsprozeß, der bisher eines der zentralen Themen von Soziologen, Anthropologen, Psychologen und Psychoanalytikern in ihren Untersuchungen über „Persönlichkeit und Kultur“ war.
Wir sind uns der Tatsache bewußt, daß wir das Individuum nicht allein als das Produkt von Umweltbedingungen verstehen können. Umweltfaktoren in der Hierarchie von Normen und Werten des Individuums müssen als ein integraler Teil der realitäts-orientierten Aspekte des Reifungsprozesses angesehen werden. Aber Unterschiede der Konstitution, der frühen Objektbeziehungen, Situationsbedingungen, der ständig wechselnden Auswirkungen von Nachahmung, Introjektion und Identifikation sowie der Art und Intensität einzelner Ereignisse haben an der Formung der Ich- und Über-Ich-Struktur des Kindes teil und sind nachweislich für die spätere Motivation und Anpassung von Bedeutung. So kann auch unter vergleichbaren Umweltbedingungen nicht erwartet werden, daß sich situationsspezifische Determinanten im wesentlichen ähneln bzw. daß die individuelle Reaktion außer acht bleiben kann. Differentiation und Integration sind interdependent.
Die genaue Kenntnis dieser Zusammenhänge erlangt besondere Bedeutung, wenn wir mit Patienten konfrontiert werden, deren kultureller Hintergrund von unserem abweicht.
Einige Fragen ergeben sich von selbst: Wie macht das Individuum von den Komponenten seines besonderen kulturellen Milieus Gebrauch? Wie müssen kultur-syntone Komponenten eines ausländischen Patienten vom Therapeuten mit einem anderen kulturellen Hintergrund verstanden werden, um die Symptomatologie des Patienten, seine Anpassungs- und Interaktionsfähigkeit