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Freud hat mehrfach betont, daß er den Begriff der Ambivalenz Eugen Bleuler verdankt. Es mag daher sinnvoll erscheinen, damit zu beginnen, einen Blick auf die ursprüngliche Meinung Bleulers (1937) zu werfen, wenn wir die Diskussion über dieses Thema wieder aufnehmen wollen. Wir gehen dabei bewußt nicht auf die Arbeit des Jahres 1911 zurück, sondern auf eine späte Replik auf eine Kritik Roenaus aus dem selben Jahre. Hier formulierte er:
„Es gibt gegensätzliche Gefühlsbetonungen einer nämlichen Vorstellung, eines nämlichen Erlebnisses, welche nicht wie im. alltäglichen Leben sich so beeinflussen, daß zu gegebener Zeit nur die eine zur Wirkung kommt, sondern welche beide nebeneinander wirken oder geradezu zu einer Ganzheit, einer „Gestalt“ mit zwei verschiedenen Wirkungen verschmelzen. Eine solche Einheit kann z. B. bei einer Mutter einerseits die Halluzination oder die Wahnidee des Todes eines Kindes erzeugen, das als das des gehaßten Vaters verwünscht wird, und andererseits kann sie gleichzeitig ihre Verzweiflung über den Verlust ihres eigenen lieben Kindes ausdrücken; oder sie kann sich gleichzeitig in der oberen Gesichtshälfte als Lachen und in der unteren negativ als Weinen kundgeben. Das nennen wir Ambivalenz. Da die Verschmelzung der beiden Tendenzen eine mehr oder weniger innige sein kann, gibt es alle Übergänge vom normalen Widerstreit der Tendenzen bis zur vollen Einheit derselben; die eigentliche Vereinheitlichung ist nur in der Schizophrenie und im Traum etwas Gewöhnliches; bei wachen Gesunden reden wir aber auch schon von Ambivalenz, wenn nur beide Tendenzen nebeneinander zum Bewußtsein kommen.
In der Psychopathologie ist der Begriff der Ambivalenz unentbehrlich, denn ambivalente Komplexe haben eine ungleich stärkere pathogene Bedeutung als konfliktlose. Man darf sagen, daß in den Neurosen und in der Schizophrenie die psychogenen Symptome zum größeren Teil von ambivalenten Vorstellungen ausgehen.“
Es ist nicht nur von historischem Interesse, auch den