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Neben dem französischen Soziologen Durkheim hat Freud entscheidend dazu beigetragen, Religionen als Symbolsysteme zu entziffern, in denen sich die Sozialorganisation einer Gesellschaft ausdrückt, die wiederum mit deren ökonomischer Reproduktionsweise in Zusammenhang steht. Insofern ist die moderne Ethnologie gar nicht ohne das Instrumentarium der Psychoanalyse zu denken; diese hat entscheidend geholfen, die Völkerkunde aus einer Perspektive herauszugeleiten, die entweder durch unreflektierte Projektionen eigener gesellschaftlicher Werte oder/und der Befriedigung einer Panoptikumsneugier verstellt war.
Der Autor analysiert hier die Religion der westafrikanischen Talensi; eigene Feldstudien ergänzt er durch Literatur; vor allem jedoch versucht er, zwei Motive europäischen Denkens dort wiederzufinden, in denen er Konstanten menschlichen Denkens überhaupt sieht. Das Ödipusmotiv — jenen, der dem bösen Schicksal nicht entgehen kann — findet er ebenso wieder wie das Hiobs: die Vorstellung von einer letztendlich strengen, doch gerechten transzendentalen Disziplinargewalt. In der Religion der Talensi sind diese beiden Motive in einer spezifischen Art und Weise gemischt. Fortes abstrahiert daraus zwei interessante Zusammenhänge. Er bringt die mißlungene Anpassung mit dem Ödipusmotiv — dem bösen Schicksal — in Zusammenhang und das Hiobsmotiv mit der gelungenen Unterwerfung unter die Norm. Die Verflechtung der beiden Elemente erlaubt sowohl persönliche und gesellschaftliche Verantwortung und läßt doch darüber hinaus entscheidende Entlastungsmöglichkeiten offen. Insofern nämlich die die patriarchalische Kultur ins Jenseits fortsetzenden Ahnen und eine pränatale Schicksalsbestimmung für verantwortlich erklärt werden, ob einer sozial funktioniert oder nicht, aber nur die Ahnen in einem gewissen Maße beeinflußbar sind, kann individuelles und gesellschaftliches Versagen immer dann projizierend aus der Welt geschafft werden, wenn die Beeinflussungsrituale versagen: dann war es eine un