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Coopers Buch ist ein Angriff auf die Behandlungsmethoden der medizinischen Psychiatrie, in denen offene und versteckte Gewaltanwendung zur Regel gehören. Als Grundlage für humanere und therapeutisch wirksamere Behandlungsmaßstäbe dienen ihm einerseits die familiendynamischen Untersuchungen von Lidz, Bateson, Wynne; andererseits existentialphilosophische Überlegungen. Der Autor hat eine Neigung, psychoanalytische Einsichten als psychologische Alltagseinsichten zu bringen
und auf strenge Literaturbezüge zu verzichten. Es stört, daß ein für die Absichten Coopers so wichtiger Autor wie Harold Searles und seine Therapieerfolge bei Schizophrenen in Chestnut Lodge nicht erwähnt werden.
Trotzdem kann man dieses Buch mit einem Gewinn lesen. Denn es enthält die Beschreibung einer neuartigen Behandlungsmethode für Schizophrene. Cooper leitete eine (anti-)psychiatrische Station (Villa 21) einer großen Londoner Anstalt, wo er mit neuen Organisations- und Kommunikationsformen für Patienten und Pflegerstab experimentierte. Obwohl er im wesentlichen mit gruppentherapeutischen Effekten arbeitete und die Konflikte der Patienten als relativ bewußtseinsnahe Rollenkonflikte deutete, scheint sein Experiment günstigere und gründlichere Heilungserfolge zu zeitigen als die der herkömmlichen medizinischen Behandlungsmethoden. Dieser Erfolg geht in erster Linie darauf zurück, daß die streng hierarchische Ordnung der alten Kliniken aufgegeben wurde, die Kranken nicht dauernd gegängelt und ‚behandelt‘ wurden, sondern daß das Pflegepersonal hinsichtlich seiner eigenen Ängste in der Behandlung mit Geisteskranken kontrolliert wurde. Es wär zu wünschen gewesen, daß dies nützliche therapeutische Experiment in einen theoretisch besser abgesteckten und durchgearbeiteten Rahmen gespannt worden wäre.