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Es ist keine leichte Aufgabe, die Probleme zu diskutieren, die in dem wichtigen Artikel Dr. de Winds behandelt werden, und ich kann nicht umhin, das fachmännische Niveau seiner Problemstellung wie auch die objektive, wissenschaftliche Form seiner Darstellung zu bewundern. Es ist schwer, angesichts der krassen Formen von Brutalität, die von Menschen an Mitmenschen verübt wurden, jenen traditionellen, sachlichen Gleichmut zu bewahren, der doch das Merkmal unserer Wissenschaft ist.
Obwohl über die Erfahrungen von Überlebenden der Konzentrationslager viel veröffentlicht worden ist (hauptsächlich Beschreibungen, persönliche Berichte und episodenhafte Erinnerungen), begannen—wie auch Dr. de Wind bemerkt—die Psychiater und Psychoanalytiker erst mit erheblicher Verspätung und unter dem Druck wachsender klinischer Notwendigkeit, die Phänomene gründlicher zu untersuchen, die man „Konzentrationslagerpathologie“, „verfolgungsbedingte Persönlichkeitsveränderungen“ usw. genannt hat. Diese Verspätung trifft auch auf mich selbst zu. Als ich in den Jahren 1946/47 im Mount Sinai Hospital und später als Berater beim damaligen United Service for New Americans die ersten Überlebenden aus den Konzentrationslagern sah, die unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA kamen, besaß ich wenig Erfahrung für das Verständnis ihrer Symptomatologie und noch weniger in der Behandlung ihrer Probleme. Ich hielt die klinischen Bilder, mit denen wir damals konfrontiert wurden, für Erscheinungsformen oder Varianten einer schweren traumatischen Neurose, und es dauerte eine Weile, bis ich zu sehen begann, daß unsere früheren Vorstellungen von den Folgen eines Traumas für die Gesamtpersönlichkeit sich auf Erfahrungen gründeten, die gänzlich verschieden waren von den Beobachtungen, die Dr. de Wind mitteilt und die ich während der letzten zwanzig Jahre allmählich zu verstehen begann. Durch klinische Erfahrungen bei Hunderten solcher KZ-Opfer bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß wir es hier mit einem