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Nach der Befreiung aus dem Abgrund einer kaum nachvollziehbar grausamen Existenz in deutschen Konzentrationslagern oder Verstecken litten viele der Überlebenden an körperlichen Erkrankungen wie Typhus, Ruhr oder Tuberkulose. Außerdem wies fast jeder Überlebende der Verfolgung Störungen im emotionalen Bereich und psychosomatische Symptome auf. Die körperlichen Erkrankungen standen jedoch während der ersten Jahre nach der Befreiung oft so sehr im Vordergrund, daß die damit verbundenen psychischen Störungen weder von Patienten noch Ärzten entdeckt wurden.
Schon in den Jahren 1947/48 konnte Friedman (12) feststellen, daß die häufigsten Beschwerden bei Verfolgten psychosomatischer Natur waren. Friedman untersuchte 172 Überlebende deutscher Konzentrationslager in Zypern, wo ihr ersehntes, neues Heimatland Palästina nah, doch zunächst unerreichbar blieb. Er beobachtete vor allem eine Regression zu einer infantilen Entwicklungsstufe und erwog, wie weit diese narzißtische Verhaltensweise eine psychische Verletzlichkeit schaffen würde, die den Boden für spätere psychosomatische Leiden abgeben könnte.
In seinem Buch „Psychosomatische Gevolgen von Onderdrukking en Verzet“ beschreibt Bastiaans (1) einen „psychosomatisch-traumatisch-asthenischen Zustand“. Bei 40 ehemaligen Mitgliedern der holländischen Widerstandsbewegung konnte er feststellen, daß psychosomatische Syndrome gewöhnlich nach einer viel längeren Latenzzeit als neuropsychiatrische Syndrome auftraten.
In der neueren Literatur über Verfolgungsschäden finden wir u. a. die Feststellung von Strauss (31), daß „vegetative Reaktionen nichts anderes als körperliche Parallelerscheinungen einer gestörten Affektlage“ seien. v. Baeyer, Häfner und Kisker (2) fanden Herz- und Verdauungsstörungen, Eitinger (5) erwähnt Rücken- und Blasenbeschwerden, Bensheim (3) stellt eine Dystonie der vegetativ-hormonalen Funktionen heraus und Lederer (22) beschreibt Fettleibigkeit und andere psychosomatische Depressionsäquivalente nach Verfolgung.