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Die oft berechtigte Skepsis einem Verlag gegenüber, der aus dem Nachlaß eines Erfolgsautors auch die letzten geistigen Brosamen zusammenträgt, um durch die Zugkraft des bekannten Namens zu kommerziellem Erfolg zu kommen, ist bei dem vorliegenden Buch des unvergeßlichen Kinderpsychotherapeuten Hans Zulliger nicht angebracht. Der Titel „Einführung in die Kinderseelenkunde“ wurde nicht ohne Absicht gewählt. Es handelt sich nicht um eine Propädeutik für Studierende, sondern um ein ausgereiftes Werk, das die beiden Gaben des Autors, anschauliche Erzählkunst und jahrzehntelange psychoanalytische Praxis, in gelungener Weise vereinigt.
Angesprochen wird ein großer Kreis von Lesern, alle, die sich mit der Betreuung gesunder und seelisch gestörter Kinder befassen. Neben den Grundlagen der dynamischen Psychologie wird auf die Problematik der Entstehung und Reifung des kindlichen Gewissens eingegangen, die Zulliger bis in seine letzte Lebenszeit beschäftigt hat.
Wenn alles gut gegangen ist, hat der Erwachsene weitgehend vergessen, wie unendlich schwierig auch im Normalfall der Weg vom Kind zum Erwachsenen ist. Die Lektüre Zulligers hilft besonders den zur Einsicht bereiten Eltern, diese Amnesie zum Wohle ihrer Kinder aufzuheben. Hier hat der Lehrer Zulliger, der seinem Beruf immer treu geblieben ist, alle Eltern auf die Schulbank gebeten, die ihre Kinder nicht nur erziehen, sondern auch verstehen möchten.