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Für den Psychoanalytiker, der die dynamischen Konzepte der Psychologie, gemeint ist hier die sog. Schulpsychologie, kennenlernen möchte, ist eine Auseinandersetzung mit den Arbeiten Kurt Lewins unerläßlich. Es ist wohl bezeichnend, daß Rapaport in seiner komprimierten und stringenten Darstellung der Psychoanalyse („Die Struktur der psychoanalytischen Theorie“) Kurt Lewin am häufigsten von allen Psychologen zitiert. Nun ist jedoch Lewin vor allem bekannt als Begründer der „topologischen und vektoriellen Psychologie“ und Feldtheorie. Diese entstand in den späten Dreißigerjahren, also in einer Zeit, zu welcher Lewin schon lange in den USA weilte. In jenen Jahren galt sein Interesse vorwiegend sozialpsychologischen Problemen, und er kann als einer der bedeutenden Theoretiker der modernen Sozialpsychologie gelten. Dieser Abschnitt des Lewin'schen Werkes wurde vor allem bedeutsam für die Gruppendynamik und Gruppentherapie.
Die vorliegende Publikation beschäftigt sich nun mit einem ganz anderen Teil des Lewin'schen Werkes, nämlich der Motivationslehre. Der Autor hat nun die experimentellen Arbeiten Lewins und seiner Schüler—herausgegeben unter dem Leittitel „Arbeiten zur Handlungs- und Affektpsychologie“—und die theoretischen Ableitungen und Begriffsbildungen vorweg aus den Jahren 1916 mit 1923 zusammengestellt. In jenen Jahren entstanden aufgrund experimenteller Arbeiten Konzeptionen, welche für den dynamischen und ökonomischen Aspekt der Psychoanalyse von hoher Bedeutung sind. Wir erinnern hier nur an die Begriffe „Bedürfnis“ und „gespanntes System“. Hier ist das Problem der Dynamik der Bedürfnisspannung, wie sie ja vor allem auch in der Triebpsychologie diskutiert wird, Gegenstand theoretischer Erörterung und experimenteller Untersuchung. Als Beispiel für viele mag das bekannte Experiment von Zeigarnik dienen, in welchem das Erinnern erledigter und unerledigter Handlungen untersucht wird. Sehr häufig schon wurde die Dynamik der unerledigten Handlung als Modell für die Wi