You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Krankengeschichten einer typisch „endogenen“ Kerngruppe von 132 weiblichen und 112 männlichen Depressionskranken, die 1926-1942 in der Münchener Nervenklinik hospitalisiert und weder mit elektrisch noch anderweitig ausgelösten epileptischen Anfällen noch sonstwie different behandelt worden waren („Spontanverläufe“), konnten einer Merkmalstatistik hinsichtlich Geschlechts- und Altersverteilung, Symptomatik, Phasenzahl, Phasen- und Intervalldauer und Phasenauslösung unterzogen werden. Ein Drittel hatte von sich aus über einen Depressionsanlaß berichtet.
Die Datenverrechnung dieses Krankenguts ließ durchaus Interpretationen im Sinne des psychodynamischen Reaktionsmodells zu. Die „endogene Depression“ erwies sich als Erkrankung des mittleren Lebensalters, dessen Entwicklungspsychologie diskutiert wird. Erfahrungen aus Psychotherapien Depressiver trugen zu der Hypothese bei, daß die Depressionsphasen ausgelöst wurden, wenn die mangelhaft eigenständigen und insofern prämorbid unreifen Persönlichkeiten sich auf sich selbst gestellt sahen, ihre Mitweltabhängigkeit zu Triebkonflikten führte und die in der Leistungspflicht (Beruf, Haushalt) gefundene Selbstidentität verloren ging. Die Ich-Psychologie der Kranken wird ausführlich kommentiert.
Das Ersterkrankungsmaximum der Männer lag im 5. Lebensjahrzehnt („Lebenswende“); Dann werde, folgern die Verf., die altersgemäße Auseinandersetzung mit der eigenen Begrenztheit und eine „bewußte Umkonstellation des subjektiven Weltbildes“ gefordert. Die Frauen, die wie alle „endogen“ depressiv Reaktionsfähigen in der Pubertät ihre elterlich empfangene Identität konform durchzuhalten pflegen, zeigten ein erstes Erkrankungsmaximum im dritten Lebensjahrzehnt, wenn mit dem Heiratsentschluß ein Wechsel der Abhängigkeiten zu verarbeiten war. Daher blieben viele, deren Ich-Fähigkeiten hier zur Depressionsabwehr nicht ausreichten, zeitlebens ledig und in dienender Stellung. Vor allem für jene Frauen, denen mit pflichtbetonter Anpassung eine depress