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Eine groß angelegte Elternbefragung (Eltern von 6030 Kindern zwischen 3-10 Jahren) über das Kinderspiel im Freien wurde 1961 im Auftrag des Arbeitsausschusses „Gutes Spielzeug“ in verschiedenen großen Gemeinden der Bundesrepublik durchgeführt. Die Elternaussagen wurden konfrontiert mit den Beobachtungen des Spielverhaltens im Freien von Kindern einer kleinen hessischen Universitätsstadt. Die Auswertung wurde sorgfältig, unter Berücksichtigung vorhandener Literatur, durchgeführt.
Die Ergebnisse sind herausfordernd: Nicht nur, daß die Eltern über die Spielgewohnheiten ihrer Kinder außerhalb des Hauses wenig Bescheid wissen; die Erbauer von Kinderspielplätzen wissen erst recht nichts über Spiele, die mehr als bloße „Funktionsspiele“ sind und in der „planmäßigen Erweiterung der Umwelterfahrung“ gipfeln. Diese Untersuchung bestätigt vollauf die Bemerkung des Berliner Stadtplaners B. Düttmann, daß die heutigen Spielplätze für kleine „Spielbeamte“ angelegt sind. Obwohl die Bundesrepublik im Verhältnis zu den westeuropäischen Ländern die relativ wenigsten Kinderspielplätze aufweist, ist es falsch, abstrakt mehr Kinderspielplätze zu fordern. Vielmehr wäre es Aufgabe der analytischen Psychologie zu begründen, in welcher Weise die Heranwachsenden zur vollen Entfaltung ihrer Ich-Fähigkeiten „kulturell gefärbte“ und zugleich bedürfnisgerechte Spielmöglichkeiten brauchen. Walter Benjamin hat einmal bemerkt, daß Kinder sich „unwiderstehlich vom Abfall angezogen fühlen“ und sich aus den Abfallprodukten der Erwachsenenwelt ihre eigene kleine Dingwelt schaffen (vgl.: Einbahnstraße, Frankfurt 1962, S. 22). Die heutige Umwelt wird planmäßig so einseitig funktionalistisch konstruiert, daß den Kindern der Aufbau einer eigenen Welt verwehrt wird; auch das gewaltlose Ausdörren der Phantasie bedeutet Triebeinschränkung. Dieses Kapitel in der Neurosenlehre wäre noch zu schreiben.