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In einem Land, in dem gesellschaftliche Verstrickung und ihre pathogene Wirkung in einem wissenschaftlichen Sinne noch nicht zum Problem einer breiteren Schicht von Medizinern geworden ist, droht das Problembewußtsein sich auf jene „esoterischen“ Kreise zu beschränken, denen es vom kritischen Ansatz her sowieso seit längerem geläufig ist. Es besteht die Gefahr, daß auch ein „Reader“, in dem einige exemplarische—vorwiegend angelsächsische—Arbeiten aus verschiedenen Gebieten der Medizinsoziologie gesammelt vorliegen, nicht das leisten wird, was sicherlich von den Herausgebern beabsichtigt ist, nämlich jenen kleinen Kreis zu sprengen und auf einer breiteren Basis Mediziner und Soziologen miteinander ins Gespräch zu bringen.
Den Medizinern, die seit langem gewohnt sind, Krankheiten als ein blindes Fatum zu begreifen—was mit einschließt, daß auch ihr Rollenverhalten zu ihren Patienten kaum je zum Gegenstand der Reflexion wurde—stehen Soziologen gegenüber, die, ohne sich auf die spezifische Problematik des biologischen Substrats einzulassen, allzu kurzschlüssig gesellschaftliche Vermittlung postulieren. Nur die Psychoanalyse (und die auf ihr basierende psychosomatische Medizin) hat sich Modellvorstellungen geschaffen, die ermöglichen, daß „Krankheit“ auch „als Symptom eines Konfliktes im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft“ erkennbar werden kann. Die generalisierenden Momente der Theorie gewinnen ihre Bestätigung dadurch, daß die konkrete Gestalt des Konfliktes in der Therapie nicht nur abstrakt sichtbar gemacht, sondern in ihren affektiven Qualitäten, in der Interaktion von Patient und Arzt erfahrbar und damit auflösbar wird. Allerdings ist die methodische Intransigenz, die zwischen Soziologie und Medizin ohnehin noch nicht überwunden ist, auch in der Psychoanalyse vorhanden; hier finden wir auf der einen Seite die gesellschaftlichen Implikationen biologischer Grundpositionen oft mangelhaft reflektiert, auf der anderen Seite die biologische Problematik in b