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Norman Cohns Buch über die „Protokolle der Weisen von Zion“, über den Mythos von der jüdischen Weltverschwörung, ist eine teils historisch, teils sozial-psychologisch angelegte Studie über den Wahn, der Auschwitz hervorbrachte und den Mördern als Rechtfertigung ihres Handelns diente. Daß diese „Protokolle“ eine Fälschung waren, hat bereits in den dreißiger Jahren ein Schweizer Gericht unzweideutig dargetan. Aber eine detaillierte Geschichte dieser Fälschung und ihrer politischen Verwendung lag bisher nicht vor. Cohn geht allen Quellen nach, zeichnet die Änderungen, Verwandlungen und Übernahmen im einzelnen nach, die die literarischen Formen des Wahns vom Vernichtungs- und Herrschaftswillen des Judentums erfuhren, bis der Wahn unter Hitler zum Credo des deutschen Volkes wurde.
Diese Studie ist eine Ergänzung zu der Arbeit Cohns über die chiliastischen Bewegungen, die in deutscher Sprache zuerst 1961 erschienen („Das Ringen um das Tausendjährige Reich“). Cohn zeigt in der Arbeit über die Protokolle, in welcher Weise der Wahn von den Weltherrschaftsplänen der Juden mit den ideologischen und affektiven Strukturen chiliastischer Bewegungen zusammenhängt. Er belegt mit den Informationen über die offiziellen Billigungen der Propaganda des Wahns durch religiöse und staatliche Autoritäten, wie sehr sich diese Wahnbildung in den Abwehrkampf gegen die immanenten Auflösungstendenzen traditioneller Institutionen fügte. Er zeigt in Übereinstimmung mit und in Anknüpfung an die Arbeit Trachtenbergs („The Devil and the Jews“), daß die Geschichte der christlichen Kollektive zugleich eine Geschichte der Angst, des Verfolgungswahns und der Vernichtungsfurcht war. Die Studie legt dar, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen sich der Vernichtungswahn verbreitete und in welcher Weise die christlichen Kollektive den Wahn zur Abwehr der Zerstörungsangst einsetzten.
In seiner sozialpsychologischen Deutung der Rolle des Wahns knüpft Cohn an die psychoanalytischen Antisemitismus-Theorien an