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Diese Aufsatzsammlung, deren Titel vielleicht mit „Die sexuelle Wiederauferstehung Amerikas“ übersetzt werden könnte, stellt einen wichtigen Beitrag zur Kenntnis des menschlichen Sexualverhaltens dar. Hier werden die durch die Kinsey-Reporte sichtbar gewordenen sozialen Differenzierungen des sexuellen Verhaltens noch weiter erforscht. Es erstaunt immer wieder, zu erfahren, wie sehr die Individuen in ihren scheinbar privatesten Handlungen, nämlich ihrem sexuellen Verhalten, von gesellschaftlichen Tabus oder von Einschränkungen ihrer gesellschaftlichen Lage betroffen sind.
In dieser Hinsicht ist der Beitrag von Lee Rainwater: Some Aspects of Lower Class Sexual Behavior, Seite 96 ff., der interessanteste. Wir erfahren, daß das Glück, das sexuelle Beziehungen schenken, keineswegs das Privileg der Armen ist, sondern viel mehr das der Reichen. Rainwater zerstört noch gründlicher als Kinsey die Legende von der „Natürlichkeit“ sexueller Verhaltensweisen in den Unterklassen. Je niedriger das sozioökonomische Niveau der Individuen, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für befriedigende Beziehungen. Dies gilt für ehelichen wie für vorehelichen Geschlechtsverkehr. Während schon Kinsey fand, daß Orgasmushäufigkeit bei Frauen aus unteren Schichten geringer ist als bei denen aus höheren Schichten, so bekräftigt Rainwater diese Ergebnisse, indem er deren Hintergründe analysiert. (Es handelt sich um die statistischen Auswertungen von Interviewdaten von 409 Personen aus Chicago, Cincinnati oder Oklahoma City, die die Schichtverhältnisse von upper middle bis lower-lower class whites und upper lower sowie lower lower class negroes widerspiegeln). Dabei zeigt sich, daß, je geringer der Grad an Übereinstimmung der elterlichen Rollenverteilungen (highly segregated role-relationships), um so größer die Wahrscheinlichkeit einer völlig sexualfeindlichen Haltung der Frau ist. Die wenig synchronisierten Rollenbeziehungen der Unterschichten—im Gegensatz zu denen der Mittelschichten—hängen u