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Unterschiedliche Disziplinen wie Soziologie und Psychiatrie haben sich schon früh mit dem Phänomen des Selbstmordes befaßt und Material zur Typologie des Geschehens und der Personen beigebracht. Die Bedeutung der unbewußten Dynamik, die die deutsche Psychiatrie im rationellen Begriff „Bilanzselbstmord“ verleugnet, läßt sich erst seit Freud fassen. Bei der Rezeption seiner Auffassungen wird allerdings—so Dührssen—nicht klar erkannt, daß die Kernfrage des Suizids, wie sich die „Tötungsabsicht zur Tat durchsetzen“ kann (Freud), mit Hilfe der Hypothese von der Rückwendung der Aggression nicht ausreichend zu beantworten ist; entscheidend sei vielmehr, daß die Objektbindungen auf der frühen Stufe der Identifizierung eingegangen werden. Diese Bedingung findet D. bei der Gruppe 16- bis 18jähriger suizidaler Patientinnen erfüllt, über deren soziale und familiäre Herkunft, Konfliktsituation, Therapie und weiteres Verhalten sie in der vorliegenden kleinen Schrift berichtet: im Erleben ihrer Mütter werden alle Mädchen von klein auf in die Rolle eines äußerst wichtigen Identifikationsobjektes gedrängt. Als sie aus der Stellung der bevorzugten Bezugsperson der Mutter verdrängt wurden, weil diese ihre Aufmerksamkeit einem kleinen Kind—dem eigenen nachgeborenen, einem Enkel- oder Pflegekind—schenkte, kam es zum Selbstmordversuch. Die gründliche, von den Beteiligten nicht wahrgenommene Veränderung in der Struktur der Familienbeziehungen fiel zusammen mit der Entwicklungskrise der Mädchen, die sich vor allem als Identitätskrise im beruflichen Bereich äußerte.