You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Vor über dreißig Jahren zwang Hitler nahezu alle Psychoanalytiker, Europa zu verlassen. In der Mehrzahl gingen sie in die Vereinigten Staaten und fanden dort bereitwillig Aufnahme. Wie kaum eine andere rezipierte die amerikanische Gesellschaft die Psychoanalyse. Von den mutmaßlichen Gründen dieser Affinität habe ich vor einiger Zeit gesprochen. Die Intellektuellen und die oberen Schichten dieses Landes erwiesen sich einer rationalen psychologischen Theorie und Praxis zugänglich, die den einzelnen bei der Verwirklichung ihrer selbst, bei der Bewältigung ihrer Kindheitstraumata und bei der Orientierung auf ihrem Weg durch die Verwirrung helfen wollte, die Sorokin die „sexuelle Revolution“ genannt hat. Eine hinreichend große Zahl von Amerikanern konnte sich eine psychoanalytische Behandlung finanziell leisten und verhalf damit ihren Therapeuten zu Wohlstand. Die Psychoanalyse begann in dem Land zu blühen, für das Freud wenig Achtung empfunden hatte. Auf diese Entwicklung hatten europäische Analytiker einen kräftigen Einfluß.
In einer Hinsicht fand Freuds Lehre keine Beachtung: Die amerikanische Psychoanalyse blieb in der Regel an den Arztberuf gebunden und die Ideen, die Freud in seinem Essay „Zur Frage der Laienanalyse“ niedergelegt hatte, erregten wenig Aufmerksamkeit. Ökonomische und soziale Gründe waren dafür ausschlaggebend: Die amerikanischen Ärzte hatten sich kurz vorher im Kampf gegen die Quacksalberei durchgesetzt und waren infolgedessen wenig geneigt, nicht-ärztlichen Analytikern, ohne Rücksicht auf ihre psychoanalytische Qualifikation, die Niederlassung zu gestatten. Diese Einstellung herrscht noch immer vor, wie ich meine, zum Schaden der amerikanischen Psychoanalyse als einem Forschungs- und Ausbildungsinstrument.
Es zeugt von einem begrenzten Gesichtsfeld, in der Psychoanalyse nur ein medizinisches Spezialfach zu sehen. Ihre Konzepte erlauben nicht nur, sondern fordern geradezu eine breitere Anwendung. Ernst Kris bezeichnete sie als ein diagnostisches und t