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„An beiden nehmen wir Schaden, an zu wenig und an zu viel Moral“
Neben den durch Atomforschung und Automation herbeigeführten Revolutionen unserer Lebensbedingungen wird immer deutlicher, daß eine ganz entscheidende dritte Revolution dabei ist, die hoch industrialisierten und säkularisierten Staaten zu durchdringen und weitreichende Veränderungen unserer zwischenmenschlichen Verhaltensformen und damit letztlich der Bewußtseinsstrukturen herbeizuführen. Es handelt sich um die sogenannt sexuelle Revolution1, die ihren sichtbarsten Ausdruck in der Aufhebung der von der Gesellschaft bisher erzwungenen Tabus gegenüber der freien genitalen Sexualität findet. Dabei sind es neben der Veränderung der gesamten geistigen Situation, der das Mündigwerden des Proletariats und des Kleinbürgertums korreliert ist, und neben dem von der Aufklärung eingeleiteten, vom 20. Jahrhundert vollendeten Umsturz vieler bisher für ewig erachteten Werte zwei ganz konkrete Realfaktoren, denen wir es zuzuschreiben haben, daß freie geschlechtliche Beziehungen in unserer Gegenwart tatsächlich für „jedermann“ und nicht nur für eine privilegierte Schicht zu einer Lebensmöglichkeit geworden sind. Es handelt sich dabei 1. um einen Faktor, der das direkte Ergebnis naturwissenschaftlicher Forschungen und Einsichten ist, und 2. um einen Faktor, der mit den ihrerseits mit den naturwissenschaftlichen Ergebnissen funktional verbundenen gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen verknüpft ist:
Die wissenschaftlichen Resultate der Medizin und Pharmakologie haben es ermöglicht, daß der Geschlechtsakt ausgeführt werden kann
ohne die Gefahr einer Konzeption und
ohne die ständig drohende Gefahr der Übertragung von ansteckenden Krankheiten gemeingefährlicher Art2.
Die durch die Technik und Industrialisierung und insbesondere durch ein
* Professor Alexander Mitscherlich zum 60. Geburtstag gewidmet.
Der Name sexuelle Revolution ist von P. Sorokin (1956) übernommen.
Es fällt dabei nicht ins Gewi
* Professor Alexander Mitscherlich zum 60. Geburtstag gewidmet.
Der Name sexuelle Revolution ist von P. Sorokin (1956) übernommen.
Es fällt dabei nicht ins Gewi