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Eine Diagnostik, die nicht nur über Art und Chance einer Therapie entscheiden will, sondern auch Aussagen machen soll über Struktur, Konflikt und Konfliktbewältigung eines Patienten, sowie über die Prognose im Hinblick auf eine spätere katamnestische Untersuchung, erfordert ein aufwendiges und auch für den Patienten zeitraubendes Verfahren. Es besteht zur Zeit bei uns aus einem analytischen Interview, einer testpsychologischen Untersuchung, einem Gruppengespräch über den Patienten, sowie einer Abschlußbesprechung, in der mit dem Patienten die Realisierungsmöglichkeit des Behandlungsvorschlags besprochen wird.
Obwohl ein Untersuchungsweg, der sich über Wochen erstrecken kann, in vielen Fällen eine Stütze für den Patienten darstellt, wäre es doch wünschenswert, schon vorher jene Patienten in eine andere Behandlung zu bringen, für die eine ambulante psychoanalytisch orientierte Methode weniger geeignet erscheint.
Um die Frage der Behandelbarkeit vorweg zu klären, wurden deshalb sogenannte Vorinterviews eingerichtet, spezifisch orientierende Gespräche von etwa 15 Minuten Dauer. Sinn und Umfang des Vorinterviews wird am deutlichsten durch den Fragebogen veranschaulicht, der im Anschluß an jedes Gespräch vom Untersucher ausgefüllt wird. Er enthält u. a. Fragen über:
die klinische Vorgeschichte—Überweisung, Vorbehandlung—und die Beschwerden des Patienten und
die Motivation, differenziert in:
die Vorstellung des Patienten darüber, was ihn gerade zu diesem Zeitpunkt zu uns führt und was er sich von einer Behandlung erwartet—also Fragen der Motivation im Sinne einer rationalen Bereitschaft, aktiv an einer eigenen inneren Änderung teilzunehmen;
den aus dem Verhalten erschlossenen subjektiven Eindruck des Untersuchers über den Leidensdruck des Patienten, im Sinne von emotionaler Einstellung des Patienten zu seinem Leiden und dem Wunsch, es zu verändern.