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Psychologie sollte sich den Sozialwissenschaften nur dann als Schwesterwissenschaft anbieten, wenn gleiches Erkenntnisinteresse vorliegt und dieses sich auch in Kategorien, einem methodischen Ansatz, niederschlägt, dem gemeinsame Vorstellungen über die Rolle der Menschen im gesellschaftlichen Prozeß zugrundeliegen. Es ist ebensowenig sinnvoll, eine grundsätzlich auf die Erhaltung bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse ausgerichtete Soziologie mit einer emanzipatorischen Psychologie zu kombinieren1, wie umgekehrt eine psychologistische Psychologie jeden kritischen soziologischen Ansatz irrationalistisch2 oder in anderer Weise apologetisch zu Fall zu bringen muß. Einer politischen Sozialwissenschaft, deren Erkenntnisinteresse im Gegensatz zum sozialtechnischen als emanzipatorisch bezeichnet werden kann3, wird nur eine gleichfalls in der Tradition der Aufklärung stehende Psychologie eine ebenbürtige Partnerin sein.
Liegt emanzipatorisches Erkenntnisinteresse zugrunde, dann wird implizit oder explizit davon ausgegangen, daß der in Gang befindliche historische Prozeß der lebensnotwendigen Auseinandersetzung mit der Natur kollektive Formen des Welt- und Selbstverständnisses sowie soziale Beziehungen zur Folge hat, die im klassischen Sinne ideologisch und als reale Herrschaftsausübung zu entziffern sind; es wird davon ausgegangen, daß Menschen sich ein bloß unmittelbares Bild von einer historisch überwindbaren gesellschaftlichen Realität machen, ein notwendig falsches Bewußtsein ihrer sozialen Beziehungen haben, in denen die Produkte über die Produzenten herrschen, statt ihnen zu dienen. Eine emanzipatorische Psychologie will dieses Bewußtsein verändern.
Einer gegen irrationale Herrschaftsverhältnisse gerichteten Sozialwissenschaft bietet die Psychoanalyse die Möglichkeit, der psychologischen Dimension