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Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß in den Industrienationen der Welt der Anteil der über 65 Jahre alten Menschen seit etwa 1900 stetig angestiegen ist. Z. B. haben in der Schweiz die über 65jährigen von 1900 bis 1960 von 5, 2% auf 9, 4% zugenommen, was in absoluten Zahlen einen Anstieg von 173 721 auf 554 240 bedeutet (Seite 14). Allein aus derartigen Zahlen kann gefolgert werden, daß die Beschäftigung mit den Krankheiten und Problemen der alten Menschen dringend geboten ist.
Auf dem Gebiet der Medizin hat sich nun seit langem die Alterspsychiatrie als eine eigene Disziplin herausgebildet. Das geschah allerdings zunächst weniger auf Grund quantitativer Faktoren, sondern es ergab sich zwangsläufig aus dem Studium der „altersbedingten“ seelischen Störungen, die eine besondere pathologische Anatomie, eine spezifisch gefärbte Psychopathologie aufweisen und spezielle Maßnahmen der Therapie und Betreuung erfordern. In dem Buch von Chr. Müller und Mitarbeitern werden alle diese Kapitel einschließlich sozialer, organisatorischer und forensischer Gesichtspunkte eingehend abgehandelt und bibliographisch sorgfältig belegt. Den Psychoanalytiker dürften vor allem die Abschnitte über Psychologie und Psychopathologie des Alterns sowie diejenigen, die sich mit psychogenen Störungen, abnormen Reaktionen und „endogenen“ Alterspsychosen beschäftigen, interessieren. Besonders deutlich wird ja bei der Betrachtung psychodynamischer Zusammenhänge seniler Affektionen, daß wir hier sehr häufig —im Unterschied zu den psychogenen Leidenszuständen der Jugend und des mittleren Lebensalters — mit einem „objektivierbaren“, einem tatsächlich organischen Kern im gesamten Bedingungsgefüge zu rechnen haben, dessen determinierende Bedeutung nicht übersehen werden kann. Demgemäß kann die Therapie immer nur darin ihr Ziel sehen, zu helfen, trotz und mit diesem Mangel zu leben. Das bedeutet aber nicht, daß man beim alten Menschen auf eine in der Essenz psychoanalytische Behandlung verzichten müs