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Das Objekt der Analyse ist die deutsche Gesellschaft heute, deren aufdringlichstes Symptom ihr Immobilismus, ihre Unbeweglichkeit angesichts drängender gesellschaftlicher Probleme; die Diagnose durch ihre engagierten Ärzte verspricht nicht viel Gutes für die Zukunft, falls sich die eingefahrene Technik der Abwehr der Erinnerung nicht lösen läßt. Ihr Hauptproblem, A. und M. Mitscherlich zufolge, ist, so sehr sie es auch zu verdrängen sucht, ihre Schuld: der Mord an wehrlosen, unschuldigen Menschen, begangen in der Befangenheit eines kollektiven Wahns, unter der Leitung eines geliebten Führers, der in einer depressiven Phase dieser Gesellschaft als Erlöser und Befreier zum Retter gewählt wurde. Er repräsentierte, immer nach den Verfassern, für die hilflosen, ohnmächtigen Massen ein bestechendes Ich-Ideal, seine Größen- und Allmachtfantasien schienen dem enttäuschten Kollektiv eine neue Zukunft zu verheißen. Seine Lehre war ein Wahn, der von allen inneren und äußeren Konflikten zu entlasten schien. Die Realisierung des Wahns verhieß die Endlösung aller Probleme und Konflikte durch Vernichtung des Erzfeindes. Der Führer versprach dem angsterfüllten Kollektiv Raum, blind gegen das Lebensrecht derer, die projizierend und rationalisierend in untermenschliche Horden verwandelt wurden. Der Aufbruch des Kollektivs in das Tausendjährige Reich der Guten und rassisch Hochwertigen zerbrach unter den Schlägen der Realität, gegen die die Wahn-Sinnigen sich durch äußerste Abschließung gegen den kritischen Gedanken zu schützen gesucht hatten.
Der historische Ablauf des kollektiven Handelns, der sich in historischen Einzeldarstellungen leicht ins Unübersehbare verwirrt, strukturiert sich unter den Augen der Analytiker in eine kohärente Erscheinung, in das Denken, Fühlen und Handeln eines kollektiven Subjekts. Die leitenden Hypothesen der sozialpsychologischen Analyse entstammen Freuds „Massenpsychologie und Ichanalyse“ und „Trauer und Melancholie“.
Das aus dem Wahn erwachte Kollektiv hä